Kosmisches Christentum – Die Theosophie in Ungarn
摘要
Eine weitere Etappe im Prozess der ‚Hinwendung zum Osten‘ bedeutete Anfang des 20. Jahrhunderts in der Monarchie und somit auch in Ungarn das Aufblühen der Theosophie. Besonders wichtig war dabei die theosophisch-esoterisch-kosmische Auslegung des Christentums. Im Konzept von Annie Besant, der engsten Mitarbeiterin von Blavatsky, wird Christus, bzw. Jesus vornehmlich als Lehrer eines ‚geheimen Wissens‘, als ‚Eingeweihter‘ (Initiierter), als ‚aufgestiegener Meister‘ und als ‚Weltlehrer‘ gesehen. Christus hier also nicht mehr der Sohn Gottes, sondern ein höher entwickelter Mensch, ein Erleuchteter, der die Vollendung auch erst nach vielen Wiederverkörperungen (Reinkarnationen) in vielen Lebenszyklen erreicht, also ein Arier. In gewissen Perioden würden ‚große Weltlehrer‘ (Manu) in der Welt erscheinen, um die Menschheit zu erleuchten. Diese theosophische Auslegung des Christentums, die in Ungarn großen Anklang erfuhr, bis in die Gegenwart hinein relevant ist und sogar in der gegenwärtigen Regierungsideologie propagiert wird, steht nicht nur dem christlichen Universalismus diametral entgegen, sondern bereitet den geistigen Boden für die Vorstellung über die Notwendigkeit einers ‚spirituellen Führers‘, der ‚die Idee‘ einer ‚neuen Weltordnung‘ weiterträgt.