Der heilige ‚Weltenberg‘ Pilis – ungarisches Monsalvat und Initiationsberg, die Tempelritter und die ‚Hl. Krone‘
摘要
Aufgrund einer mittelalterlichen Legende galt das Pilis-Gebirge nördlich von Budapest seit Anfang des 20. Jahrhunderts in ungarischen esoterischen Erzählungen als „axis mundi“ (Weltachse). Infolge der Popularisierung der mittelalterlichen Mythologie, vor allem durch die Oper Wagners, war die Symbolik der ‚heiligen Topografie‘ in Ungarn wohl vertraut. Da das Land in der Zwischenkriegszeit Teil der europaweiten esoterischen Bewegung war, waren auch die anthroposophisch-esoterischen Lehren, beispielsweise von Rudolf Steiner, in denen er die Tempelritter mit Gralsrittern gleichsetzte, ebenfalls bekannt. So dürfte es kein Zufall gewesen sein, dass sich die ungarischen Neutempler 1937 ausgerechnet im Pilis-Gebirge niederließen. Wurden bei Lanz von Liebenfels die ‚Templeisen‘ auch ‚Gralsbrüder‘ genannt, weil deren zentraler Auftrag daraus bestand, die Idee des ‚Hl. Grals‘ als Symbol ‚arischen Menschentums‘ zu schützen und als geheime Priesterschaft die ‚alte germanische Urreligion des höheren esoterischen Christentums‘ zu bewahren, so wurde dieser Topos ab der ersten Häfte des 20. Jahrhunderts von ungarischen Esoteriker:innen adaptiert und den ‚Templeisen-Kronenbrüdern‘ der zentrale Auftrag zugesprochen, sich gegen eine vermeintliche Rassenmischung und für eine vermeintliche Rassenentmischung aufzutreten. Pilis galt bereits zwischen den beiden Weltkriegen als spirituelles Zentrum Ungarns und gilt bis heute als Mittelpunkt des esoterischen Denkens, als ‚Initiationsberg‘, als eigentümliches Reich, als magyarisches Paradies des Kosmos auf dem Heimatboden und als Zentrum des „weißen Christentums“.