Bedeutung der Praxislernphasen für die Bildung einer professionellen Identität im Studium der Sozialen Arbeit
摘要
Praxislernphasen im Studium der Sozialen Arbeit an österreichischen (Fach)-Hochschulen stellen mit 400–700 h Workload einen wesentlichen Bestandteil des Bildungsprozesses dar. Im vorliegenden Beitrag wird die Integration von Erfahrungen aus absolvierten Praxislernhasen in die Bildung der professionellen Identität als Sozialarbeiter:in unter Berücksichtigung der je subjektiven Sozialisationsgenese und der im Studium erworbenen theoretisch-wissenschaftlich-ethischen Erkenntnisse untersucht. Die reflexive Bearbeitung der eigenen sozialen Praxis aus der Perspektive von Studierenden konnte im Rahmen einer qualitativen Forschung angeregt werden, die sich auf 61 von und mit Studierenden geführte semistrukturierte, episodische Kurzinterviews nach Flick (2011) bezieht. Die dem induktiv-methodischen Denkansatz der Grounded Theory nach Strauß und Corbin (2010) folgende Entwicklung der Ergebnisse zeigt, wie Studierende als Praktikant:innen unter Umständen zu Beobachter:innen abwertenden und diskriminierenden Verhaltens gegenüber Adressat:innen werden, wodurch Verunsicherung entstehen, aber auch das eigene Unrechtsbewusstsein geschärft werden kann. Zum anderen können mangelnde Reflexionsmöglichkeiten während der Praxislernphasen die Bildung von (Vor)Urteilen und die Reproduktion von Alltagstheorien verstärken. Eine weitere Herausforderung für Studierende der Sozialen Arbeit stellen biografisch konnotierte Belastungen dar, die durch Praxiserfahrungen erinnert oder wieder belebt werden. Die gewonnenen Ergebnisse zeigen aber auch, wie Studierende ihren professionellen Entwicklungsprozess aktiv gestalten und Erfahrungen aus der Praxis an ihrem Theorieverständnis prüfen sowie Möglichkeiten der Einflussnahme identifizieren.