Der Aufsatz analysiert die Leerstellen innerhalb der Disziplin der Kunstgeschichte in Bezug auf Antisemitismusforschung und Jüdische Studien. Zwar gibt es diverse Forschungen zu jüdisch codierten Themen, doch eine wissenschaftskritische Neuperspektivierung des Fachs Kunstgeschichte – vergleichbar etwa mit dem Impact der Gender oder Postcolonial Studies – blieb bisher aus. Weil dieser „Jewish Turn“ in der Kunstgeschichte bisher fehlt, ist es kaum verwunderlich, dass es auch an Bildkompetenzen fehlt, um visuellen Antisemitismus in seinen vielfältigen Formen zu erkennen. Auch jüdische Perspektiven bleiben insbesondere in ihrer Pluralität häufig unsichtbar. Der Aufsatz zielt drauf ab, einen Beitrag dazu zu leisten, die kunsthistorischen blinden Flecken in Bezug auf visuellen Antisemitismus und jüdische Perspektiven am Beispiel der international bekannten Kasseler Ausstellung der documenta (fifteen) zu benennen und genauer einzukreisen. This essay analyses gaps in the field of art history with regard to anti-Semitism research and Jewish studies. While a variety of research exists on Jewish-coded topics, a critical re-evaluation of art history comparable to the impact of gender or postcolonial studies has yet to occur. As this ‚Jewish turn‘ has been absent from art history until now, it is hardly surprising that there is also a lack of visual literacy to recognise visual anti-Semitism in its many forms. Jewish perspectives often remain invisible, particularly in their plurality. Using the example of the internationally renowned documenta (fifteen) exhibition in Kassel, this essay aims to contribute to identifying and pinpointing the blind spots in art history with regard to visual anti-Semitism and Jewish perspectives.

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Die documenta im Spannungsfeld von Antisemitismus, Postkolonialismus und jüdischen Perspektiven

  • Alma-Elisa Kittner

摘要

Der Aufsatz analysiert die Leerstellen innerhalb der Disziplin der Kunstgeschichte in Bezug auf Antisemitismusforschung und Jüdische Studien. Zwar gibt es diverse Forschungen zu jüdisch codierten Themen, doch eine wissenschaftskritische Neuperspektivierung des Fachs Kunstgeschichte – vergleichbar etwa mit dem Impact der Gender oder Postcolonial Studies – blieb bisher aus. Weil dieser „Jewish Turn“ in der Kunstgeschichte bisher fehlt, ist es kaum verwunderlich, dass es auch an Bildkompetenzen fehlt, um visuellen Antisemitismus in seinen vielfältigen Formen zu erkennen. Auch jüdische Perspektiven bleiben insbesondere in ihrer Pluralität häufig unsichtbar. Der Aufsatz zielt drauf ab, einen Beitrag dazu zu leisten, die kunsthistorischen blinden Flecken in Bezug auf visuellen Antisemitismus und jüdische Perspektiven am Beispiel der international bekannten Kasseler Ausstellung der documenta (fifteen) zu benennen und genauer einzukreisen. This essay analyses gaps in the field of art history with regard to anti-Semitism research and Jewish studies. While a variety of research exists on Jewish-coded topics, a critical re-evaluation of art history comparable to the impact of gender or postcolonial studies has yet to occur. As this ‚Jewish turn‘ has been absent from art history until now, it is hardly surprising that there is also a lack of visual literacy to recognise visual anti-Semitism in its many forms. Jewish perspectives often remain invisible, particularly in their plurality. Using the example of the internationally renowned documenta (fifteen) exhibition in Kassel, this essay aims to contribute to identifying and pinpointing the blind spots in art history with regard to visual anti-Semitism and Jewish perspectives.