Wenn die Kinderzeichnung als ein komplexes Gefüge mit wechselwirksamen Verschränkungen zwischen den inneren nicht beobachtbaren Vorstellungen des zeichnenden Kindes und der außen beobachtbaren Darstellung auf der bezeichneten Fläche betrachtet wird, dann wird methodisch ein prozessorientierter Zugang zu kindlichem Bildausdruck und Bildvermögen vorausgesetzt. Das zeichnerische Vermögen kann nur im Ausdruck selbst beobachtet und nachvollzogen werden und dieser ist als Prozess im Raum- und Zeitkontinuum definiert. Hier hat die Videografie als prozessaufzeichnendes Verfahren bislang als forschungsmethodischer Zugang zur Kinderzeichnung gute Dienste geleistet, denn sie kann die Bildentstehung in ihrem Kontext aufzeichnen. Die Methode des Video-Stimulated Recall Interviews (VSRI) kann in einer prozessorientierten Kinderzeichnungsforschung einen neuen methodischen Zugang leisten, wenn es darum geht, die Zeichenhandlung in ihrer verschränkten Komplexität zu erfassen und nachzuvollziehen. Der Beitrag zielt darauf, die Methode des VSRI in die kunstpädagogische Kinderzeichnungsforschung einzuführen, diese theoretisch zu begründen und forschungsmethodisch weiterzuentwickeln. Hierfür erfolgt zunächst eine Einordnung der zentralen Begriffe wie Bildsprache, Bildvermögen und Bildausdruck und der damit verbundenen Diskurse im Kontext von Kinderzeichnungen. Anschließend werden formale und inhaltliche Aspekte der Werkbetrachtung fokussiert, die einen Exkurs über die Diskrepanz zwischen Zeichnen und Malen einschließt. Von der Werkbetrachtung aus erfolgt die Perspektivenerweiterung auf die Videografie und Beobachtung, anhand derer – im Rückgriff auf ein exemplarisches Fallbeispiel – der methodische Zugang des VSRI beleuchtet wird, um Potenziale und Herausforderungen im Umgang mit Werkbetrachtungen zu diskutieren.

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„Zwei Hasen braucht man, denn die sind Freunde…“ Prozessorientierter Zugang zu kindlichem Bildvermögen und Bildausdruck – über die Methode des Video-Stimulated Recall Interviews in kunstpädagogischer Perspektive

  • Monika Miller

摘要

Wenn die Kinderzeichnung als ein komplexes Gefüge mit wechselwirksamen Verschränkungen zwischen den inneren nicht beobachtbaren Vorstellungen des zeichnenden Kindes und der außen beobachtbaren Darstellung auf der bezeichneten Fläche betrachtet wird, dann wird methodisch ein prozessorientierter Zugang zu kindlichem Bildausdruck und Bildvermögen vorausgesetzt. Das zeichnerische Vermögen kann nur im Ausdruck selbst beobachtet und nachvollzogen werden und dieser ist als Prozess im Raum- und Zeitkontinuum definiert. Hier hat die Videografie als prozessaufzeichnendes Verfahren bislang als forschungsmethodischer Zugang zur Kinderzeichnung gute Dienste geleistet, denn sie kann die Bildentstehung in ihrem Kontext aufzeichnen. Die Methode des Video-Stimulated Recall Interviews (VSRI) kann in einer prozessorientierten Kinderzeichnungsforschung einen neuen methodischen Zugang leisten, wenn es darum geht, die Zeichenhandlung in ihrer verschränkten Komplexität zu erfassen und nachzuvollziehen. Der Beitrag zielt darauf, die Methode des VSRI in die kunstpädagogische Kinderzeichnungsforschung einzuführen, diese theoretisch zu begründen und forschungsmethodisch weiterzuentwickeln. Hierfür erfolgt zunächst eine Einordnung der zentralen Begriffe wie Bildsprache, Bildvermögen und Bildausdruck und der damit verbundenen Diskurse im Kontext von Kinderzeichnungen. Anschließend werden formale und inhaltliche Aspekte der Werkbetrachtung fokussiert, die einen Exkurs über die Diskrepanz zwischen Zeichnen und Malen einschließt. Von der Werkbetrachtung aus erfolgt die Perspektivenerweiterung auf die Videografie und Beobachtung, anhand derer – im Rückgriff auf ein exemplarisches Fallbeispiel – der methodische Zugang des VSRI beleuchtet wird, um Potenziale und Herausforderungen im Umgang mit Werkbetrachtungen zu diskutieren.