Die Pragmatik der Kinderzeichnung: ihre Bestimmung und forschungslogischen Implikationen
摘要
Kinderzeichnungen sind ein mittlerweile etabliertes Material rekonstruktiver Kindheitsforschung. Obwohl in der Entstehung rekonstruktiver Methoden interaktionstheoretische Überlegungen eine zentrale Rolle gespielt haben, wird die Interaktionseinbettung der Produktion, Plazierung und Rezeption von Kinderzeichnungen bei deren rekonstruktiver Untersuchung unzureichend gewürdigt. Erst die Bestimmung der Pragmatik einer Kinderzeichnung erlaubt ein forschungslogisches Verständnis der an der Zeichnung ansetzenden Hypothesenbildung. Sie ermöglicht darüber hinaus eine präzisere Bestimmung des Verhältnisses von Produkt und Prozess. Im Gegensatz zu einem geisteswissenschaftlich verkürzten Verständnis der Rekonstruktion von Kinderzeichnungen, das sich im Anschluss an einschlägige Debatten der Kunstgeschichte in der rekonstruktiven Bildforschung herausgebildet hat, lässt sich zeigen, warum es zwingend ist, über die Explikation der immanenten Bilddeutung hinausgehend, (prüfbare) Hypothesen über den Zusammenhang der graphisch-bildnerischen Ausdrucksgestalt mit biographischen Problemlagen zu bilden. Im Gegensatz zu einer Prozessanalyse, in der die Kinderzeichnung als Resultante der in der Interaktionssituation wirksamen Einflüsse aufgelöst wird, lässt sich zeigen, dass sie als Zeichnung das Ergebnis einer bestimmten mit anderen konkurrierenden Pragmatik ist.