Bisherige Forschung zeigt eine hohe Varianz in den individuellen Reaktionen auf Viktimisierungserfahrungen, von kaum nachhaltigen Folgen („Resilienz“) bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Dies wirft die Frage auf, was Betroffenen hilft, solche Erfahrungen zu bewältigen, ggf. sogar daran zu wachsen. Überraschenderweise hat die kriminologische Viktimologie Prozesse der Bewältigung von Viktimisierungserfahrungen bislang eher wenig untersucht oder in theoretische Modelle eingebettet. Psychologische Forschung zu anderen potenziell kritischen bzw. traumatischen Lebensereignissen hingegen legt nahe, dass Prozessen der subjektiven Verarbeitung bedrohlicher Erfahrungen eine Schlüsselrolle für die Bewältigung solcher Erfahrungen zukommt. Der vorliegende Beitrag unternimmt den Versuch, vorhandene viktimologische Forschungsansätze (etwa zur Bedeutung von Strafen oder Interaktionen mit staatlichen Behörden) vor dem Hintergrund einer entwicklungspsychologischen Konzeption von Bewältigung (insbesondere unter Berücksichtigung selbstregulatorischer Modelle) zu integrieren. Diese Herangehensweise öffnet die Perspektive auch auf (sonst zu wenig beachtete) längerfristige Verarbeitungsprozesse und Folgen. Gleichzeitig ermöglicht der Fokus auf die zu Grunde liegenden Prozesse auch stärker theoriebasierte Annahmen in Bezug auf die Ausgestaltung von Interventionsmaßnahmen im Sinne des Opferschutzes, einschließlich der Berücksichtigung von Opferbedürfnissen im Rahmen der Strafverfolgung.

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Bewältigung von Viktimisierungserfahrungen – Entwicklungspsychologische Perspektiven

  • Farina Rühs,
  • Werner Greve,
  • Cathleen Kappes

摘要

Bisherige Forschung zeigt eine hohe Varianz in den individuellen Reaktionen auf Viktimisierungserfahrungen, von kaum nachhaltigen Folgen („Resilienz“) bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Dies wirft die Frage auf, was Betroffenen hilft, solche Erfahrungen zu bewältigen, ggf. sogar daran zu wachsen. Überraschenderweise hat die kriminologische Viktimologie Prozesse der Bewältigung von Viktimisierungserfahrungen bislang eher wenig untersucht oder in theoretische Modelle eingebettet. Psychologische Forschung zu anderen potenziell kritischen bzw. traumatischen Lebensereignissen hingegen legt nahe, dass Prozessen der subjektiven Verarbeitung bedrohlicher Erfahrungen eine Schlüsselrolle für die Bewältigung solcher Erfahrungen zukommt. Der vorliegende Beitrag unternimmt den Versuch, vorhandene viktimologische Forschungsansätze (etwa zur Bedeutung von Strafen oder Interaktionen mit staatlichen Behörden) vor dem Hintergrund einer entwicklungspsychologischen Konzeption von Bewältigung (insbesondere unter Berücksichtigung selbstregulatorischer Modelle) zu integrieren. Diese Herangehensweise öffnet die Perspektive auch auf (sonst zu wenig beachtete) längerfristige Verarbeitungsprozesse und Folgen. Gleichzeitig ermöglicht der Fokus auf die zu Grunde liegenden Prozesse auch stärker theoriebasierte Annahmen in Bezug auf die Ausgestaltung von Interventionsmaßnahmen im Sinne des Opferschutzes, einschließlich der Berücksichtigung von Opferbedürfnissen im Rahmen der Strafverfolgung.