In diesem Beitrag werden die rechtlichen und praktischen Probleme analysiert, mit denen Opfer und ihre Angehörigen nach einer Viktimisierung im Ausland konfrontiert sind. Aufgrund der situativen Umstände sind Auslandsviktimisierungen für die Betroffenen zumeist mit besonderen Herausforderungen verbunden, die als zusätzliche Belastungsfaktoren zu den ‚regelmäßigen‘ Tatfolgen hinzutreten. Potenzielle Risikogruppen sind z. B. Urlaubs- oder Geschäftsreisende, Studierende, Saisonarbeitskräfte, Berufskraftfahrer und -fahrerinnen, Transitpassagiere sowie Geflüchtete. Die spezifischen Probleme und Bedürfnisse von Opfern in grenzüberschreitenden Fällen finden bislang nur wenig Aufmerksamkeit. Diese werden ebenso dargestellt wie die normativen und praktischen Hürden, die die Wahrnehmung ihrer Rechte innerhalb und außerhalb des Strafverfahrens erschweren. Dabei wird unterschieden zwischen Opfern einer Straftat im Inland mit Wohnsitz im Ausland und Opfern, die in Deutschland wohnhaft und während eines Aufenthalts im Ausland viktimisiert worden sind. Um ihre grundsätzlichen Ansprüche auf Unterstützung, Schutz, Entschädigung und ihre justiziellen Rechte auf Anwesenheit, (Rechts-)Beistand und psychosoziale Begleitung im Strafprozess effektiv wahrnehmen können, sollten diese Personen als zusätzliche Kategorie vulnerabler Opfer im Sinne der EU-Opferrechtsrichtlinie anerkannt und mit entsprechend erweiterten Ansprüchen ausgestattet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf dem neuen Opferschädigungsrecht nach dem SGB XIV, das im Gegensatz zu der traditionellen nationalstaatlichen Konzeption des Ermittlungs- und Strafverfahrens die Verfahrensbeteiligung ausländischer Personen erstmals systematisch mitberücksichtigt.

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Opfer werden in der Fremde – Besondere Herausforderungen transnationaler Viktimisierung für Opfer und ihre Angehörigen

  • Michael Kilchling

摘要

In diesem Beitrag werden die rechtlichen und praktischen Probleme analysiert, mit denen Opfer und ihre Angehörigen nach einer Viktimisierung im Ausland konfrontiert sind. Aufgrund der situativen Umstände sind Auslandsviktimisierungen für die Betroffenen zumeist mit besonderen Herausforderungen verbunden, die als zusätzliche Belastungsfaktoren zu den ‚regelmäßigen‘ Tatfolgen hinzutreten. Potenzielle Risikogruppen sind z. B. Urlaubs- oder Geschäftsreisende, Studierende, Saisonarbeitskräfte, Berufskraftfahrer und -fahrerinnen, Transitpassagiere sowie Geflüchtete. Die spezifischen Probleme und Bedürfnisse von Opfern in grenzüberschreitenden Fällen finden bislang nur wenig Aufmerksamkeit. Diese werden ebenso dargestellt wie die normativen und praktischen Hürden, die die Wahrnehmung ihrer Rechte innerhalb und außerhalb des Strafverfahrens erschweren. Dabei wird unterschieden zwischen Opfern einer Straftat im Inland mit Wohnsitz im Ausland und Opfern, die in Deutschland wohnhaft und während eines Aufenthalts im Ausland viktimisiert worden sind. Um ihre grundsätzlichen Ansprüche auf Unterstützung, Schutz, Entschädigung und ihre justiziellen Rechte auf Anwesenheit, (Rechts-)Beistand und psychosoziale Begleitung im Strafprozess effektiv wahrnehmen können, sollten diese Personen als zusätzliche Kategorie vulnerabler Opfer im Sinne der EU-Opferrechtsrichtlinie anerkannt und mit entsprechend erweiterten Ansprüchen ausgestattet werden. Ein weiterer Fokus liegt auf dem neuen Opferschädigungsrecht nach dem SGB XIV, das im Gegensatz zu der traditionellen nationalstaatlichen Konzeption des Ermittlungs- und Strafverfahrens die Verfahrensbeteiligung ausländischer Personen erstmals systematisch mitberücksichtigt.