Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über die Bedeutung von repräsentativen Viktimisierungssurveys als zentrale Datenquelle für die Viktimologie geben. Durch Informationen zur Häufigkeit von Straftaten als Ergänzung zu Hellfeldstatistiken ermöglichen Viktimisierungssurveys die Überprüfung von Viktimisierungstheorien und unterstützen die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen. Besonders wertvoll sind dabei Erkenntnisse in Bezug auf Straftaten mit geringer Anzeigebereitschaft wie Sexualdelikte oder häusliche Gewalt und zu nicht-strafrechtlich relevanten, aber viktimologisch bedeutsamen Phänomenen wie Catcalling oder vorurteilsgeleitete Diskriminierung, da hier Offizialdaten nur bedingt oder überhaupt nicht aussagekräftig sind. Darüber hinaus liefern Opferbefragungen Informationen zu kriminalitätsbezogenen Einstellungen und beleuchten, inwiefern Opfererlebnisse diese Einstellungen prägen können. Exemplarisch werden im Folgenden die Einstellungen von Betroffenen hinsichtlich ihrer Kriminalitätsfurcht, ihren Strafbedürfnissen und ihrem Vertrauen in die Polizei näher beleuchtet. Über solche grundlegenden Einstellungsmaße hinaus dienen Dunkelfeldstudien der Erschließung der subjektiven Perspektive von Opfern. Insbesondere in Hinblick auf das Anzeigeverhalten, die Folgen der Opfererlebnisse und die Inanspruchnahme – aber auch die Nicht-Inanspruchnahme – von Unterstützungsangeboten können repräsentative Viktimisierungssurveys wichtige Ansatzpunkte zur Optimierung des Opferhilfesystems liefern. Der Beitrag schließt mit einer Darstellung aktueller gesellschaftlicher, rechtlicher und technologischer Herausforderungen - etwa durch angepasste Straftatdefinitionen, eine zunehmende Digitalisierung kriminellen Verhaltens sowie neuen Möglichkeiten wie dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Datenerhebung.

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Die Bedeutung von repräsentativen Viktimisierungssurveys für die Viktimologie

  • Ina Bieber,
  • Christoph Birkel,
  • Daniel Church,
  • Anke Erdmann,
  • Alisa Hager,
  • Nathalie Leitgöb-Guzy,
  • Henrik Schwarze

摘要

Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über die Bedeutung von repräsentativen Viktimisierungssurveys als zentrale Datenquelle für die Viktimologie geben. Durch Informationen zur Häufigkeit von Straftaten als Ergänzung zu Hellfeldstatistiken ermöglichen Viktimisierungssurveys die Überprüfung von Viktimisierungstheorien und unterstützen die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen. Besonders wertvoll sind dabei Erkenntnisse in Bezug auf Straftaten mit geringer Anzeigebereitschaft wie Sexualdelikte oder häusliche Gewalt und zu nicht-strafrechtlich relevanten, aber viktimologisch bedeutsamen Phänomenen wie Catcalling oder vorurteilsgeleitete Diskriminierung, da hier Offizialdaten nur bedingt oder überhaupt nicht aussagekräftig sind. Darüber hinaus liefern Opferbefragungen Informationen zu kriminalitätsbezogenen Einstellungen und beleuchten, inwiefern Opfererlebnisse diese Einstellungen prägen können. Exemplarisch werden im Folgenden die Einstellungen von Betroffenen hinsichtlich ihrer Kriminalitätsfurcht, ihren Strafbedürfnissen und ihrem Vertrauen in die Polizei näher beleuchtet. Über solche grundlegenden Einstellungsmaße hinaus dienen Dunkelfeldstudien der Erschließung der subjektiven Perspektive von Opfern. Insbesondere in Hinblick auf das Anzeigeverhalten, die Folgen der Opfererlebnisse und die Inanspruchnahme – aber auch die Nicht-Inanspruchnahme – von Unterstützungsangeboten können repräsentative Viktimisierungssurveys wichtige Ansatzpunkte zur Optimierung des Opferhilfesystems liefern. Der Beitrag schließt mit einer Darstellung aktueller gesellschaftlicher, rechtlicher und technologischer Herausforderungen - etwa durch angepasste Straftatdefinitionen, eine zunehmende Digitalisierung kriminellen Verhaltens sowie neuen Möglichkeiten wie dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Datenerhebung.