Die Betroffenheit durch vorurteilsmotivierte Taten, auch bezeichnet als Hasskriminalität, wird im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zunehmend öffentlich diskutiert und wissenschaftlich beforscht. Es bestehen aber weiterhin Forschungslücken. Multivariate Analysen wurden für den deutschsprachigen Raum bislang nur vereinzelt durchgeführt. Bestehende quantitative Forschung untersucht zwar die Viktimisierung durch vorurteilsgeleitete Taten für einzelne Gruppen, eine intersektionale Perspektive wurde dabei jedoch noch nicht eingenommen. Der Beitrag will diese Forschungslücke anhand von zwei umfangreichen Dunkelfeldbefragungen zum Thema „Hasskriminalität“ in Hannover und Hamburg schließen. Der zusammengespielte Datensatz (n = 11.306) ermöglicht eine umfassende Analyse soziodemografischer Risikofaktoren für die Viktimisierung durch vorurteilsmotivierte Taten anhand von multinominalen logistischen Regressionen. Dabei zeigen sich unter anderem eine queere Geschlechtsidentität und eine Fremdwahrnehmung als „nicht deutsch aussehend“ als relevante Risikofaktoren. Beide Gruppen haben eine überdurchschnittlich hohe Wahrscheinlichkeit, von Hasskriminalität betroffen zu sein. Zum Thema Intersektionalität zeigt die Analyse von Interaktionseffekten jedoch, dass sich nicht alle Risikofaktoren rein additiv zusammenfassen lassen. So weisen etwa queere Menschen, die als nicht-deutsch gelesen werden, eine geringere Wahrscheinlichkeit vorurteilsmotivierter Viktimisierung auf als deutsch gelesene queere Menschen. Solche intersektionalen Interaktionseffekte werden herausgestellt und diskutiert. Damit stellt der Beitrag eine erste quantitative Studie für den deutschsprachigen Raum dar, welche die spezifische Vulnerabilität mehrfach marginalisierter Gruppen empirisch untersucht.

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Zur Rolle von Intersektionalität in der Viktimisierung durch Hasskriminalität – Eine empirische Analyse zu Betroffenenperspektiven

  • Lukas Boll,
  • Eva Groß

摘要

Die Betroffenheit durch vorurteilsmotivierte Taten, auch bezeichnet als Hasskriminalität, wird im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zunehmend öffentlich diskutiert und wissenschaftlich beforscht. Es bestehen aber weiterhin Forschungslücken. Multivariate Analysen wurden für den deutschsprachigen Raum bislang nur vereinzelt durchgeführt. Bestehende quantitative Forschung untersucht zwar die Viktimisierung durch vorurteilsgeleitete Taten für einzelne Gruppen, eine intersektionale Perspektive wurde dabei jedoch noch nicht eingenommen. Der Beitrag will diese Forschungslücke anhand von zwei umfangreichen Dunkelfeldbefragungen zum Thema „Hasskriminalität“ in Hannover und Hamburg schließen. Der zusammengespielte Datensatz (n = 11.306) ermöglicht eine umfassende Analyse soziodemografischer Risikofaktoren für die Viktimisierung durch vorurteilsmotivierte Taten anhand von multinominalen logistischen Regressionen. Dabei zeigen sich unter anderem eine queere Geschlechtsidentität und eine Fremdwahrnehmung als „nicht deutsch aussehend“ als relevante Risikofaktoren. Beide Gruppen haben eine überdurchschnittlich hohe Wahrscheinlichkeit, von Hasskriminalität betroffen zu sein. Zum Thema Intersektionalität zeigt die Analyse von Interaktionseffekten jedoch, dass sich nicht alle Risikofaktoren rein additiv zusammenfassen lassen. So weisen etwa queere Menschen, die als nicht-deutsch gelesen werden, eine geringere Wahrscheinlichkeit vorurteilsmotivierter Viktimisierung auf als deutsch gelesene queere Menschen. Solche intersektionalen Interaktionseffekte werden herausgestellt und diskutiert. Damit stellt der Beitrag eine erste quantitative Studie für den deutschsprachigen Raum dar, welche die spezifische Vulnerabilität mehrfach marginalisierter Gruppen empirisch untersucht.