Viktimisierung durch Schockanrufe – Eine empirische Betrachtung
摘要
Trotz wachsender Hinweise auf die zunehmende Verbreitung von Schockanrufen und der erheblichen negativen Auswirkungen auf die Opfer findet dieses Phänomen weder in der wissenschaftlichen Literatur noch in den Polizeistatistiken ausreichende Beachtung. Das vorliegende Kapitel beschäftigt sich eingehend mit Schockanrufen und stellt Ergebnisse einer Online-Befragung mit 264 Teilnehmer:innen vor. Die Untersuchung zeigt, dass Schockanrufe, obwohl sie professionell und arbeitsteilig organisiert sind, nur selten erfolgreich verlaufen. Als Risikofaktor für die Übergabe von Bargeld oder Wertgegenständen erwies sich ein schlechter Gesundheitszustand der Opfer. Der Ablauf des Betrugs lässt sich in drei Phasen unterteilen: die initiale, emotionale Schockphase, den Vertrauensaufbau mit der Forderung nach Vermögenswerten und deren Übergabe. Die Folgen eines Schockanrufs können beträchtlich sein und mitunter anhaltend emotional und psychisch belasten. Dies gilt auch für versuchte Schockanrufe, wenn die Opfer glaubten, ein nahestehendes Familienmitglied sei in einen Unfall verwickelt. Die Erfahrungen der Opfer deuten auf große Herausforderungen in der Strafverfolgung hin. Verbesserungspotenzial liegt in einer verstärkten Präventionsarbeit, einer besseren Kommunikation der Polizei mit den Opfern, einer intensiveren Zusammenarbeit von Polizei mit Justiz und internationalen Behörden sowie einer Vereinheitlichung der Erfassungskriterien und rechtlichen Bewertungen.