Dokumentationspraktiken sozialer Abweichung in einem Antrag auf öffentliche Erziehung. Eine Exploration diskursiver Sortierungs- und Kategorisierungspraktiken
摘要
Der Beitrag untersucht in einer diskursanalytischen Perspektive Dokumentationspraktiken eines bürokratischen Diskurses um die Zuschreibung von Abweichung gegenüber minderjährigen Menschen in den 1960er Jahren in Westdeutschland. Aus einem Antragsformular eines Jugendamtes werden Sortierungs- und Kategorisierungspraktiken herausgearbeitet, die die Unterbringung in einem Erziehungsheim legitimieren sollen. Gezeigt wird die Konstruktion einer fragmentarischen Dokumentenwirklichkeit, die mit einem repräsentationalistischen Wahrheitsanspruch defizitorientierte Devianzzuschreibungen als gesellschaftliche Tatsachen reifiziert. Über ein biologisches als auch soziales Erblichkeitskonzept von Devianz werden Zuschreibungen plausibilisiert und durch die Identifizierung mit einer konkreten Person und ihrem sozialen Umfeld evident gemacht. Reifizierung, Plausibilisierung und Identifizierung werden so als diskursive Mechanismen der Konstruktion von Wahrheit in dokumentarischen Praktiken deutlich.