Gedächtnis und Erinnerung, ihre Bedeutungen im Befragungsprozess – Neurokognitive Grundlagen
摘要
Nach einer Einführung in die Evolution von Gedächtnis und Erinnerung werden wesentliche Aspekte des menschlichen Gedächtnisses herausgearbeitet. Zu diesen zählen die zeitliche Unterteilung in Vergangenes und Zukünftiges sowie in Kurzzeit-/Arbeits- und Langzeitgedächtnis und die inhaltliche in fünf Langzeitgedächtnissysteme, die von unterschiedlicher Komplexität und mit unterschiedlichen Graden von bewusster Repräsentation verbunden sind. Hinsichtlich der inhaltlichen Einteilung werden Vergleichbarkeit versus Unterschiedlichkeit von episodischem und autobiografischem Gedächtnis diskutiert und die Auswirkungen von Innen- und Außenwelt auf Einspeicherung und Abruf beleuchtet („Zustandsabhängigkeit des Gedächtnisses“). Zu den weiteren analysierten Phänomenen der menschlichen Informationsverarbeitung zählen die Rekonsolidierung abgerufenen Wissens, die ungleiche Verteilung erinnerter Episoden über die Lebensspanne („Erinnerungshügel“), sowie Interaktionen zwischen den Langzeitgedächtnissystemen („SPI-Modell“). Intensiv eingegangen wird auf die diversen Phänomene von Fehlerinnerungen und ihre möglichen Ursachen und Trigger, sowie auf die diversen Formen von Vergessen und Informationsunterdrückung. Die Rolle von Stress für die Erinnerungsfähigkeit wird insbesondere aus dem Blickwinkel von Befragungssituationen betrachtet. Insgesamt betrachtet kann man festhalten, dass das Ergebnis von Befragungen von einer Reihe von Variablen und Faktoren beeinflusst wird und deswegen mit großer Sorgfalt angegangen werden sollte.