Awareness oder Erziehung zur Unmündigkeit? Anmerkungen zur Diskriminierungskritik
摘要
Awareness bezeichnet ein Bewusstsein für gesellschaftliche Machtverhältnisse, den Kampf gegen Diskriminierung und für die Anerkennung von Minderheitenrechten. Awareness-Programme zielen auf eine besondere Wachsamkeit gegenüber Personen, die aufgrund von (zumeist) fremdzugeschriebenen Identitätsmerkmalen von Benachteiligung betroffen und von Gewalt bedroht sind. Im gesellschaftlichen Diskurs werden die von Awareness eingeforderten und umgesetzten identitätspolitischen Praktiken kontrovers diskutiert. Der Beitrag beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der Popularisierung von Achtsamkeits- bzw. Awareness-Konzepten in der Sozialen Arbeit und einer damit verbundenen Differenzierung der Begriffsbestimmungen. Unter Bezugnahme auf die Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno werden die theoretischen Grundlagen und praktischen Implikationen von Awareness als „Ticketdenken“ kritisiert. Zugleich wird erläutert, warum sich die Kritik an Awareness nicht auf einen Appell an die Mündigkeit beschränken kann. Abschließend fokussiert der Beitrag exemplarisch auf die feministische (Theorie-)Geschichte von Safe(r) Spaces und skizziert ausgehend von der Kritik an Awareness Möglichkeiten einer emanzipatorischen Diskriminierungskritik.