Der Wandel sexueller Bildung hängt mit verschiedenen transnationalen sozio-politischen Prozessen zusammen, deren Entwicklung ich im vorliegenden Kapitel illustrieren werde. Diese Ausführungen sind einerseits als ein Überblick über die bisherigen Erkenntnisse zum Themenfeld zu verstehen und dienen andererseits in meiner Analyse als Bezugspunkte für das Handeln verschiedener Akteur:innen in Übersetzungsprozessen. Denn wie oben beschrieben ist der Wandel sexueller Bildung in Äthiopien in verschiedene Prozesse eingebettet, in denen sich auch die Machtverhältnisse der beteiligten Akteur:innen stets in Bewegung befinden. Ich skizziere zunächst den globalen Paradigmenwechsel hin zu menschenrechtsbasierten Ansätzen sexueller Bildung und zeige auf, wie ihre Umsetzung in Ländern des globalen Südens bisher vor allem über kulturelle und religiöse Faktoren erklärt wurde – eine Perspektive, die aus Sicht der postkolonialen feministischen und der Post-Development Forschung kritisiert wird. Stattdessen argumentiere ich, dass sowohl globale Machtverhältnisse und eurozentrische Entwicklungsvorstellungen als auch transnationale, religiöse und antifemistische Kräfte stärker in den Blick genommen werden müssen, um die Dynamiken schulischer sexueller Bildung zu verstehen. Am Beispiel Äthiopiens untersuche ich schließlich, wie rechtliche Entwicklungen, Errungenschaften aus der Frauenbewegung und zivilgesellschaftliches Engagement in diese Prozesse eingebettet sind.

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Prozesse sexueller Bildung

  • Sara Kolah Ghoutschi

摘要

Der Wandel sexueller Bildung hängt mit verschiedenen transnationalen sozio-politischen Prozessen zusammen, deren Entwicklung ich im vorliegenden Kapitel illustrieren werde. Diese Ausführungen sind einerseits als ein Überblick über die bisherigen Erkenntnisse zum Themenfeld zu verstehen und dienen andererseits in meiner Analyse als Bezugspunkte für das Handeln verschiedener Akteur:innen in Übersetzungsprozessen. Denn wie oben beschrieben ist der Wandel sexueller Bildung in Äthiopien in verschiedene Prozesse eingebettet, in denen sich auch die Machtverhältnisse der beteiligten Akteur:innen stets in Bewegung befinden. Ich skizziere zunächst den globalen Paradigmenwechsel hin zu menschenrechtsbasierten Ansätzen sexueller Bildung und zeige auf, wie ihre Umsetzung in Ländern des globalen Südens bisher vor allem über kulturelle und religiöse Faktoren erklärt wurde – eine Perspektive, die aus Sicht der postkolonialen feministischen und der Post-Development Forschung kritisiert wird. Stattdessen argumentiere ich, dass sowohl globale Machtverhältnisse und eurozentrische Entwicklungsvorstellungen als auch transnationale, religiöse und antifemistische Kräfte stärker in den Blick genommen werden müssen, um die Dynamiken schulischer sexueller Bildung zu verstehen. Am Beispiel Äthiopiens untersuche ich schließlich, wie rechtliche Entwicklungen, Errungenschaften aus der Frauenbewegung und zivilgesellschaftliches Engagement in diese Prozesse eingebettet sind.