Einleitung
摘要
Weltweit steht schulische sexuelle Bildung in der Kritik, sich auf biomedizinische, Krankheitsprävention sowie Gefahrenabwehr zu beschränken. Gleichzeitig sind (zivilgesellschaftliche) Bestrebungen, sexuelle Bildung umfassender zu gestalten, von zahlreichen Ambivalenzen geprägt: Sexuelle Bildung gewinnt zunehmend an Relevanz, ist jedoch auch immer häufiger Gegenstand gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Im Rahmen einer empirischen Studie zeige ich am Beispiel Äthiopiens auf, wie sexuelle Bildung im schulischen Kontext umgesetzt wird und welche Spannungen dabei entstehen. Dabei verknüpfe ich Erkenntnisse aus der Übersetzungsforschung – die sich mit der Vermittlung und Umsetzung von Normen beschäftigt – mit der Prozess- und Figurationssoziologie Norbert Elias’, die gesellschaftlichen Wandel durch soziale Interaktionen in den Blick nimmt. Ich argumentiere, dass ein soziologisches Verständnis von Übersetzung dazu beitragen kann, bislang wenig beachtete soziale Beziehungen und Konstellationen sichtbar zu machen, in denen Übersetzungsprozesse stattfinden und die durch sie beeinflusst werden. Akteur:innen (über)setzen Normen und menschenrechtsbasierte Ideen in Beziehung zueinander und entfalten dabei Handlungsspielräume im Rahmen der sozialen Gefüge (Figurationen), in die sie eingebunden sind.