Empörung im Kontext von Verschwörungstheorien
摘要
Im Beitrag wird das Phänomen der Empörung als zentrales Bindeglied in der Produktion, Verbreitung und Rezeption von Verschwörungstheorien im Kontext der COVID-19-Pandemie untersucht. Anstatt Verschwörungstheorien als primär irrationale oder gefährliche Narrative zu diskreditieren oder zu legitimieren, plädieren wir für einen dritten Weg: wir schlagen vor, Empörung selbst als wissensgenerierendes und -strukturierendes Moment zu analysieren. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der wissenschaftlichen Debatte, die oftmals selbst in dichotome Lager zerfällt („wir gegen die“), wird argumentiert, dass Empörung nicht bloß ein emotionales Begleitphänomen, sondern konstitutiv für die Deutung sozialer Wirklichkeit ist. Empirisch wird dies anhand von ethnografischem Material aus dem Umfeld der sogenannten Querdenkerbewegung untersucht, darunter Videos aus Telegram-Gruppen, Interviewmaterial und (teilnehmende) Beobachtungen. Anhand der Analysen wird gezeigt, wie logische und moralische Widersprüche (etwa hinsichtlich des Genesenenstatus) gezielt dargestellt werden, um Empörung zu evozieren. Diese Empörung fungiert als Motor für alternative Sinndeutungen, kollektive Identitätsbildung und soziale Vergemeinschaftung. Dabei wird herausgearbeitet, dass das affektive Moment nicht als Störfaktor, sondern als epistemologische Ressource verstanden werden muss. Der Beitrag leistet so einen innovativen Beitrag zur wissenssoziologischen Erforschung von Verschwörungstheorien, indem er das emotional aufgeladene Wissen als eigenständiges Analyseobjekt in den Fokus rückt und eine Brücke zwischen verschiedenen Dimensionen von Wissen und Empörung schlägt.Keywords: Verschwörungstheorien, Querdenker, Sinndeutung, COVID-19, Empörung.