Belgien ist ein wunderbares Land, in dem es sich großartig leben lässt. Aber es ist auch ein Land mit dunklen Kapiteln in seiner Geschichte. Zu den dunkelsten zählen die Menschenzoos, die immer wieder in der belgischen Hauptstadt eingerichtet wurden. Zum ersten Mal zur Weltausstellung 1897, als König Leopold II. im Park von Tervuren vor den Toren Brüssels afrikanische Dörfer nachbauen und 267 Menschen aus dem Kongo, seiner Privatkolonie, verschleppen ließ, um sie in den umzäunten Hütten einzupferchen und dem Publikum vorzuführen. Und noch 60 Jahre später, bei der Weltausstellung 1958, glaubte der belgische Staat, der mittlerweile die Kolonie kontrollierte, von seiner vermeintlichen zivilisatorischen Kraft künden zu müssen, indem er Männer, Frauen und Kinder aus dem Kongo herankarrte und sie in einem umzäunten, tropischen Garten den Besuchern ein kongolesisches „Alltagsleben“ vorleben ließ. Rassismus in Reinform, sicherlich. Aber was bewog eigentlich die Besucher, sich gaffend vor den Zäunen zu drängeln? Das lässt sich nur vermuten. Definitiv ging es auch um die jämmerliche Hoffnung, sich beim Blick über den Zaun seiner eigenen Überlegenheit versichern zu können. Aber da war bestimmt noch mehr: Die Lust am Grusel beim Blick auf das Fremde, das Nervenkribbeln, das sich einstellt bei der Konfrontation mit dem Unbekannten, die Neugier auf den edlen Wilden. Kurzum: Es war wohl der pure Exotismus, der die Besucher in die Menschenzoos trieb.

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Ethnologie im Staatenzoo: Der Deutschlandfunk, die EU und der ganze Rest: Peter Kapern, Deutschlandfunk

  • Michael Grytz

摘要

Belgien ist ein wunderbares Land, in dem es sich großartig leben lässt. Aber es ist auch ein Land mit dunklen Kapiteln in seiner Geschichte. Zu den dunkelsten zählen die Menschenzoos, die immer wieder in der belgischen Hauptstadt eingerichtet wurden. Zum ersten Mal zur Weltausstellung 1897, als König Leopold II. im Park von Tervuren vor den Toren Brüssels afrikanische Dörfer nachbauen und 267 Menschen aus dem Kongo, seiner Privatkolonie, verschleppen ließ, um sie in den umzäunten Hütten einzupferchen und dem Publikum vorzuführen. Und noch 60 Jahre später, bei der Weltausstellung 1958, glaubte der belgische Staat, der mittlerweile die Kolonie kontrollierte, von seiner vermeintlichen zivilisatorischen Kraft künden zu müssen, indem er Männer, Frauen und Kinder aus dem Kongo herankarrte und sie in einem umzäunten, tropischen Garten den Besuchern ein kongolesisches „Alltagsleben“ vorleben ließ. Rassismus in Reinform, sicherlich. Aber was bewog eigentlich die Besucher, sich gaffend vor den Zäunen zu drängeln? Das lässt sich nur vermuten. Definitiv ging es auch um die jämmerliche Hoffnung, sich beim Blick über den Zaun seiner eigenen Überlegenheit versichern zu können. Aber da war bestimmt noch mehr: Die Lust am Grusel beim Blick auf das Fremde, das Nervenkribbeln, das sich einstellt bei der Konfrontation mit dem Unbekannten, die Neugier auf den edlen Wilden. Kurzum: Es war wohl der pure Exotismus, der die Besucher in die Menschenzoos trieb.