Übersicht und Einsicht: Wundersäulen und Weltspiegel in mittelalterlichen Texten
摘要
Der Beitrag untersucht vier mittelalterliche Texte, in denen Spiegel – überwiegend spiegelnde Säulen – vorkommen, die Varianten von Weltspiegeln sind. Man blickt in ihnen in große Entfernung hinaus, erkennt feindliche Bestrebungen, überschaut einen großen Weltausschnitt oder sieht, woran man intensiv denkt. Zunächst werden die Traditionen dieser Motive freigelegt, im Anschluss die entsprechenden Stellen in den Texten thematisiert. Dabei zeigt sich, dass das Weltspiegelmotiv ursprünglich wohl als Herrschaftsfantasie entstand, aber im hohen und späten Mittelalter auch als Vehikel für Kunstreflexion verwendet wurde. Es unterscheiden sich die gestalteten Werkbegriffe und Kunstvorstellungen stark, obgleich die Texte keine 150 Jahre auseinanderliegen. Die Nebenfrage nach den runden Formen der meisten Spiegelsäulen führt zu dem Befund, dass Emanationsbildlichkeit über den Schöpfergedanken schon in diesen frühen Texten zu einer Aufwertung des Künstlersubjekts führen kann (dass aber keineswegs überall so verfahren wird).