Über die Besucher*innen von Panoramen ist bislang wenig bekannt. Das liegt einerseits an der marginalisierten Position, die ‚Rezipient*innen‘ – Nutzer*innen, Betrachter*innen, Zuschauer*innen, Leser*innen (bereits der Begriff ist politisch) – tendenziell in kunst-, kultur- und medienwissenschaftlichen Forschungen zukommt. Für eine solch große Forschungslücke sorgt aber andererseits auch die systematische Instrumentalisierung von zugeschriebenen Reaktionen auf Bilder. In Kontexten, in denen es um ‚Medienwirkungen‘ geht, wird dabei besonders gerne über die Erfahrungen von gesellschaftlich ‚niedriger‘ gestellten Gruppen – wie jene von Frauen*, Kindern und Jugendlichen, Arbeitslosen und Indigenen gesprochen. Das merkwürdigerweise wenig beachtete diskursive Übergewicht eines solchen ‚Sprechens über‘ sorgt sowohl innerhalb der je zeitgenössischen Publizistik zum jeweiligen Medium als auch in den darauf aufbauenden Forschungsdiskursen für unterkomplexe und reduzierte Vorstellungen der eigentlich ganz verschiedenen Weisen, auf die Rezipient*innen Bildern begegnen, und schreibt sich davon ausgehend in Wissenskulturen ein. Dabei ist eine solche Instrumentalisierung nicht nur, wie vermutet werden könnte, für Menschen der Fall: Anhand der Perspektive einer Kuh – jener, die in Mark Tanseys Gemälde The Innocent Eye Test (1981) von männlichen Wissenschaftlern in einem Museum dem Abbild einer Kuh gegenüber gestellt wird – hat die Film- und Medienwissenschaftlerin Laura Katharina Mücke auf der dem Band vorausgegangenen Konferenz eine feministisch inspirierte, kritisch-phänomenologische Diskursanalyse der Forschungssituation zu Panoramen vorgeschlagen. In einem (Streit-)Gespräch mit dem Kunst- und Medienhistoriker Patric Blaser werden nun Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile einer solchen Herangehensweise diskutiert.

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Konsequenzen aus The Innocent Eye Test. Ein Gespräch über (tierische und weibliche*) Blicke, zugeschriebene Wirkungen und mutmaßliche Lücken in der Panorama-Forschung

  • Patric Blaser,
  • Laura Katharina Mücke

摘要

Über die Besucher*innen von Panoramen ist bislang wenig bekannt. Das liegt einerseits an der marginalisierten Position, die ‚Rezipient*innen‘ – Nutzer*innen, Betrachter*innen, Zuschauer*innen, Leser*innen (bereits der Begriff ist politisch) – tendenziell in kunst-, kultur- und medienwissenschaftlichen Forschungen zukommt. Für eine solch große Forschungslücke sorgt aber andererseits auch die systematische Instrumentalisierung von zugeschriebenen Reaktionen auf Bilder. In Kontexten, in denen es um ‚Medienwirkungen‘ geht, wird dabei besonders gerne über die Erfahrungen von gesellschaftlich ‚niedriger‘ gestellten Gruppen – wie jene von Frauen*, Kindern und Jugendlichen, Arbeitslosen und Indigenen gesprochen. Das merkwürdigerweise wenig beachtete diskursive Übergewicht eines solchen ‚Sprechens über‘ sorgt sowohl innerhalb der je zeitgenössischen Publizistik zum jeweiligen Medium als auch in den darauf aufbauenden Forschungsdiskursen für unterkomplexe und reduzierte Vorstellungen der eigentlich ganz verschiedenen Weisen, auf die Rezipient*innen Bildern begegnen, und schreibt sich davon ausgehend in Wissenskulturen ein. Dabei ist eine solche Instrumentalisierung nicht nur, wie vermutet werden könnte, für Menschen der Fall: Anhand der Perspektive einer Kuh – jener, die in Mark Tanseys Gemälde The Innocent Eye Test (1981) von männlichen Wissenschaftlern in einem Museum dem Abbild einer Kuh gegenüber gestellt wird – hat die Film- und Medienwissenschaftlerin Laura Katharina Mücke auf der dem Band vorausgegangenen Konferenz eine feministisch inspirierte, kritisch-phänomenologische Diskursanalyse der Forschungssituation zu Panoramen vorgeschlagen. In einem (Streit-)Gespräch mit dem Kunst- und Medienhistoriker Patric Blaser werden nun Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile einer solchen Herangehensweise diskutiert.