Um 1790 kommt der Ausdruck ‚Panorama‘ auf. Ursprünglich als Bezeichnung für Robert Barkers Rundgemälde eingeführt, wird er von Beginn an und bis heute auch für viele andere Phänomene gebraucht, die – wie Romane oder Stereoregler – oft weder einen 360°-Aspekt noch eine Bildstruktur aufweisen. Will man das nicht bloß als Fauxpas verbuchen und mit dessen permanenter Konjunktur hadern, drängt sich die Frage auf, ob die mit der Wortverbindung aus ‚alles‘ und ‚sehen‘ geweckte Verheißung nicht medial weiter zu fassen wäre, ohne beliebig zu werden. In diesem Sinn entwirft der Beitrag eine allgemeinere Konzeption von Panoramatik. Hypothetisch geht er dafür von einem für viele Menschen graduell und in multiplen Funktionen attraktiven All-Registratur- und All-Präsentations-Impuls aus, der sich formal vielgestaltig und historisch variabel manifestieren kann. Da All-Versprechen jedoch in der Praxis auf verschiedene Größendimensionen rekurrieren und real nur selten einzulösen sind, bedarf ihre mediale Konkretion zur pragmatischen Vermittlung stets einer Art Pakt zwischen der produzierenden und der perzipierenden Instanz. Dessen Struktur versucht der Beitrag zu erkunden. Zudem wird für das so erweiterte Betrachtungsfeld eine elementare Typologie vorgeschlagen. Hierzu ist zunächst ein Kernbereich spezifisch medialer Pan-Präsentationen auszuweisen, der sich sowohl von idealisierten All-Bezeigungen als auch von (vermeintlich) real-unmittelbaren panoramatischen Erfahrungen abhebt. Innerhalb dieses medialpanoramatischen Sektors wird dann danach unterschieden, ob sie das jeweilige ‚Alles‘ a) auf einmal, b) im und als Verlauf oder c) dem Einzelzugriff darbieten (wollen).

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Der panoramatische Pakt. Vorschläge zu einer erweiterten Perspektive auf mediale All-Registraturen

  • Bernd Klöckener,
  • Johannes Ullmaier

摘要

Um 1790 kommt der Ausdruck ‚Panorama‘ auf. Ursprünglich als Bezeichnung für Robert Barkers Rundgemälde eingeführt, wird er von Beginn an und bis heute auch für viele andere Phänomene gebraucht, die – wie Romane oder Stereoregler – oft weder einen 360°-Aspekt noch eine Bildstruktur aufweisen. Will man das nicht bloß als Fauxpas verbuchen und mit dessen permanenter Konjunktur hadern, drängt sich die Frage auf, ob die mit der Wortverbindung aus ‚alles‘ und ‚sehen‘ geweckte Verheißung nicht medial weiter zu fassen wäre, ohne beliebig zu werden. In diesem Sinn entwirft der Beitrag eine allgemeinere Konzeption von Panoramatik. Hypothetisch geht er dafür von einem für viele Menschen graduell und in multiplen Funktionen attraktiven All-Registratur- und All-Präsentations-Impuls aus, der sich formal vielgestaltig und historisch variabel manifestieren kann. Da All-Versprechen jedoch in der Praxis auf verschiedene Größendimensionen rekurrieren und real nur selten einzulösen sind, bedarf ihre mediale Konkretion zur pragmatischen Vermittlung stets einer Art Pakt zwischen der produzierenden und der perzipierenden Instanz. Dessen Struktur versucht der Beitrag zu erkunden. Zudem wird für das so erweiterte Betrachtungsfeld eine elementare Typologie vorgeschlagen. Hierzu ist zunächst ein Kernbereich spezifisch medialer Pan-Präsentationen auszuweisen, der sich sowohl von idealisierten All-Bezeigungen als auch von (vermeintlich) real-unmittelbaren panoramatischen Erfahrungen abhebt. Innerhalb dieses medialpanoramatischen Sektors wird dann danach unterschieden, ob sie das jeweilige ‚Alles‘ a) auf einmal, b) im und als Verlauf oder c) dem Einzelzugriff darbieten (wollen).