Alle im Blick – die Vielen im Bild. Versuch über das Wimmelbild
摘要
Ausgehend von der Beobachtung, dass der Begriff ‚Wimmelbild‘ in der heutigen Alltagssprache für Phänomene gebräuchlich ist, die eine Vielzahl von Figuren in jeweils eigenmotivierter Handlung alle auf einmal zur Wahrnehmung bringen, konturiert der Beitrag das Wimmelbild als vielgestaltigen Bildtypus. Der Aufsatz geht anhand einiger Werke der Bildenden Kunst der Frage nach, wie das Gewimmel als visuelles Phänomen ins Bild kommen kann und wie es inszeniert wird. In der Verknüpfung unterschiedlicher Werke vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ihrer Lektüren werden zentrale Aspekte bildlicher Repräsentation hervorgekehrt: die schwankende Verbindung von Einheit und Zerstreuung sowie die ambivalente Referenzialität von ‚Gewimmel‘ auf ‚Gesellschaft‘. Sollen die Vielen in Aktion dem Betrachter als Bild einer vitalen Gesellschaft erscheinen – oder lässt diese im großen Durcheinander vielmehr ihre Formlosigkeit erkennen? Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit ein Wimmelbild als Gesellschaftspanorama aufgefasst werden kann? Weil das Wimmelbild Überblick und Zusammenschau mit der Forderung eines nahsichtigen Studiums verbindet, unterhält es eine Verbindung zu panoramatischen Projekten, spricht aber auch das Problem an, sich in den Details verlieren zu können und die Überfülle als Zumutung zu erfahren. Damit weist das Wimmelbild als Phänomen auf ein für jegliche Allschau- oder Allerfassungsmedien zentrales Problem hin: wie kann man behaupten, ‚alle(s)‘ zu zeigen, ohne bis zur Unkenntlichkeit Details anzuhäufen oder abertausend Einzelteile wiederum in eine Abfolge zu strukturieren? Welche medien- und wahrnehmungsspezifischen Grenzen tun sich dabei auf?