Szenarien des Scheiterns in jüdischen Supplikationen des 15. und 16. Jahrhunderts
摘要
Der deutsche Begriff ‚Scheitern‘ wird alltagssprachlich für unterschiedliche Phänomene benutzt: einerseits im ‚absoluten‘ Sinn für den Zusammenbruch eines Systems oder einer Beziehung (vgl. engl. ‚breakdown‘), andererseits im ‚relativen‘ Sinn für das Scheitern jener Vorkehrungen und Strategien, die das ‚absolute‘ Scheitern verhindern sollen (vgl. engl. ‚failure‘). Supplikationen des 15. und 16. Jahrhunderts sind als Sprechakte im Rahmen solcher Strategien zu verstehen. Zu ihren rhetorischen Konventionen gehört, dass nur in Ausnahmefällen ein Bild von den ‚absoluten‛ Konsequenzen ihres eigenen (‚relativen‘) Scheiterns gezeichnet wird. Dies gilt auch für die hier beispielhaft untersuchten Supplikationen jüdischer Bittsteller: Nur ausnahmsweise deuten diese an, im Fall ihres (‚relativen‘) Scheiterns ganz auf den Schutz des addressierten Herrn verzichten und aus dessen Herrschaftsbereich abziehen zu müssen. Denn paradoxerweise hätten die Supplikationen damit genau mit dem gedroht, was sie zu verhindern suchten. Diese Zurückhaltung ist auch in den noch zu wenig untersuchten Schreiben des bedeutenden jüdischen Diplomaten Josel von Rosheim (1474–1554) zu beobachten.