Das Projekt Deutungsmacht („Religiöse Deutungsmachtkonflikte und Überbietungskämpfe im globalen Feld des Salafismus: Eine diskursanalytische Untersuchung salafistischer Konkurrenzstrategien zwischen Deutschland und Marokko“) beschäftigt sich mit dem Phänomen religiöser Überbietung am Beispiel des Salafismus in Deutschland und Marokko (1990–2024). Überbietung wird als ungeregelte Konkurrenzstrategie begriffen, die unter bestimmten Bedingungen eine enorme Konflikt- und Radikalisierungsdynamik auslösen kann. Um das Phänomen zu untersuchen, wurden feldtheoretische Modellierungen verwendet und sechs salafistische Debatten aus den beiden Ländern diskursanalytisch untersucht. Der Beitrag fasst die Ergebnisse der Analyse einer salafistischen Debatte in Deutschland zwischen 2013 und 2015 zusammen. Er zeigt exemplarisch, wie und unter welchen Bedingungen Überbietungsdiskurse entstehen und zeitlich persistieren, wie sie strukturiert sind und welche Deutungsmuster ihnen zugrunde liegen. Der Beitrag arbeitet zudem heraus, wie salafistische Überbietung den Einstieg in die Radikalisierung zugleich begünstigt und verschleiert: Begünstigt, weil sie salafistischen Diskursakteur:innen den Einsatz von Mitteln erlaubt, die jenseits geregelter und gepflegter Konkurrenzkommunikation liegen, und verschleiert, weil sie mit vielfältigen Strategien polemischer und aggressiver Gegenrede arbeitet, die erst in der Rekonstruktion als radikalisierte Diskurse identifiziert werden können. Daraus lassen sich forschungsprogrammatische und gesellschaftspolitische Empfehlungen ableiten, die sich auf vier Handlungsfelder beziehen: staatliche Religionspolitik, islamische Theologie an deutschen Universitäten, schulpolitische Maßnahmen und die weitere Erforschung des Phänomens.

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Salafistische Überbietungsdiskurse im Islamfeld in Deutschland: Wissenssoziologische Diskursanalysen und Handlungsempfehlungen

  • Youssef Dennaoui

摘要

Das Projekt Deutungsmacht („Religiöse Deutungsmachtkonflikte und Überbietungskämpfe im globalen Feld des Salafismus: Eine diskursanalytische Untersuchung salafistischer Konkurrenzstrategien zwischen Deutschland und Marokko“) beschäftigt sich mit dem Phänomen religiöser Überbietung am Beispiel des Salafismus in Deutschland und Marokko (1990–2024). Überbietung wird als ungeregelte Konkurrenzstrategie begriffen, die unter bestimmten Bedingungen eine enorme Konflikt- und Radikalisierungsdynamik auslösen kann. Um das Phänomen zu untersuchen, wurden feldtheoretische Modellierungen verwendet und sechs salafistische Debatten aus den beiden Ländern diskursanalytisch untersucht. Der Beitrag fasst die Ergebnisse der Analyse einer salafistischen Debatte in Deutschland zwischen 2013 und 2015 zusammen. Er zeigt exemplarisch, wie und unter welchen Bedingungen Überbietungsdiskurse entstehen und zeitlich persistieren, wie sie strukturiert sind und welche Deutungsmuster ihnen zugrunde liegen. Der Beitrag arbeitet zudem heraus, wie salafistische Überbietung den Einstieg in die Radikalisierung zugleich begünstigt und verschleiert: Begünstigt, weil sie salafistischen Diskursakteur:innen den Einsatz von Mitteln erlaubt, die jenseits geregelter und gepflegter Konkurrenzkommunikation liegen, und verschleiert, weil sie mit vielfältigen Strategien polemischer und aggressiver Gegenrede arbeitet, die erst in der Rekonstruktion als radikalisierte Diskurse identifiziert werden können. Daraus lassen sich forschungsprogrammatische und gesellschaftspolitische Empfehlungen ableiten, die sich auf vier Handlungsfelder beziehen: staatliche Religionspolitik, islamische Theologie an deutschen Universitäten, schulpolitische Maßnahmen und die weitere Erforschung des Phänomens.