(Re-)Optionalisierung von Kommunikation: Theoriegeleitete Hinweise zur Vermeidung von Todesfällen in Interaktionen zwischen Polizei und Menschen in psychischen Ausnahmesituationen
摘要
Der Kontakt zwischen Polizei und Menschen in psychischen Ausnahmesituationen ist häufig und stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Obwohl viele dieser Interaktionen ohne körperlichen Zwang gelöst werden, weisen Einsätze mit tragischen Todesfolgen auf einen bestehenden Veränderungsdruck im Umgang mit solchen Situationen hin. Der vorliegende Beitrag zielt darauf ab, Reflexionspotenzial für polizeiliche Interaktionen mit Menschen in psychischen Krisen bereitzustellen, um Todesfälle zu vermeiden. Ausgehend von einer systemtheoretischen Perspektive auf polizeiliche Kommunikation beschreiben wir das Problem der doppelten Kontingenz in Interaktionen. Darin konzeptualisieren wir Gewalt als enggeführte, de-optionalisierte Kommunikation. Anschließend nehmen wir zwei Beobachtungslinsen in den Blick, die die Gefährdung – insbesondere mit Blick auf Schuldzuschreibungen – einseitig verorten: die Beobachtungslinse der traditionellen Eigensicherung (Eigensicherung 1.0) und das Konzept der „officer-induced jeopardy“. Während beide Konzepte in gewisser Hinsicht als funktional betrachtet werden können, offerieren wir einen reflexiven Blick, der die Gefahr der Gefährdungsbeobachtung selbst thematisiert und theoriegeleitete, praktische Handlungsmöglichkeiten bereitstellt.