Zwischen Wut auf „die da oben“ und Jagd auf Sündenböcke: Öffentliche Personen in der Schweiz als Zielscheibe von Hass und Gewalt
摘要
Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber PolitikerInnen sowie Mitarbeitenden von Sozialbehörden haben seit der Corona-Krise auch in der Schweiz zugenommen. Das Ausmaß physischer Gewalt gegen öffentliche Personen bleibt jedoch vergleichsweise gering. Dies verweist auf eine politische Kultur und institutionelle Rahmenbedingungen, die es den BürgerInnen einerseits ermöglichen, ihr Unbehagen auch zwischen den Wahlen zum Ausdruck zu bringen, und andererseits die Polparteien dazu verpflichten, in den Exekutiven zusammenzuarbeiten. Zunehmend sehen sich indes auch Sozialarbeitende, PolizistInnen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen mit Menschen konfrontiert, die sich unfair behandelt fühlen und mit physischer Gewalt reagieren. Da die Demokratie in der Schweiz auf freiwilligem Engagement ihrer BürgerInnen im politischen Diskurs beruht, haben die staatlichen Behörden die wachsende Problematik erkannt. Deshalb werden öffentliche Personen mittlerweile verstärkt durch bauliche und polizeiliche Maßnahmen sowie durch strafrechtliche Sanktionen geschützt. Rechts- und linksradikale AktivistInnen, DschihadistInnen sowie potenzielle AmokläuferInnen lassen sich durch solche Schutzmaßnahmen allerdings kaum abschrecken.