Bewältigungsstrategien angesichts der neoliberalen Transformation
摘要
Angesichts der Unvereinbarkeit der beiden derzeit in der Praxis konkurrierenden Konzepte Sozialer Arbeit stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass diese Tatsache sowohl bei den PraktikerInnen, aber ebenso z. B. bei Trägern, InteressenvertreterInnen und Fachverbänden und auch bei vielen WissenschaftlerInnen nicht thematisiert und auch nicht in ihrer Bedeutung wahrgenommen zu werden scheint. Bei der Suche nach Erklärungen für dieses Phänomen wird u. a. auf einen Text der Pflegewissenschaftlerin Kersting (2021) zurückgegriffen. Kersting nennt verschiedene Arten von Bewältigungsmustern, die die Art und Weise beschreiben, wie jeweils erfolgreich versucht wird, die bestehenden Widersprüche und Konflikte so zu verstehen, zu bearbeiten, umzudeuten oder von ihnen abzulenken etc., dass sie ertragbar scheinen. Das bedeutet: Diese Widersprüche werden auf diese Weise bewältigt und in den beruflichen Alltag integriert und hindern die Beschäftigten nicht weiter bei der Ausübung ihres Berufes. Kersting spricht hier von einer „moralischen Desensibilisierung“ Sie nennt folgende fünf Gruppen von Bewältigungsmustern, (die jeweils noch 2 bis 7 Untergruppen enthalten): Nichtwahrnehmung der Widersprüche, Antworten auf erkannte Widersprüche, Illusion von der Auflösbarkeit der Widersprüche, Versuche der praktischen Negation, Einsicht in die Unauflösbarkeit der Widersprüche. Reaktionen der PraktikerInnen aber ebenso entsprechende Strategien in der Wissenschaft oder der Profession insgesamt, die zum Teil bereits hier beschrieben und thematisiert wurden, können hier zugeordnet werden und dabei helfen, die Reaktionen bzw. die Nicht-Reaktion der Professionellen auf den bestehenden massiven Widerspruch und auf die Herausforderungen der neoliberalen Transformation nachzuvollziehen und in ihrer „inneren Logik“ zu verstehen.