„Die Ereignisse“, das ist der Begriff, der sich in Chemnitz für die Querelen im August 2018 durchgesetzt hat – für jene Geschehnisse also, die bei einem nächtlichen, von Asylbewerbern begangenen Tötungsdelikt ihren Ausgang nehmen und zu mehrere tausend Personen starken rechtsradikalen Aufmärschen geführt haben, zu „Hetzjagden“ (so der umstrittene Ausdruck) auf Menschen, denen man einen Migrationshintergrund unterstellt, und zu extremer Medienaufmerksamkeit weit über die Stadt, ja auch über Deutschland hinaus. Anhand dreier ausgewählter Beispiele von politischen Prozessen in Chemnitz, wie wir sie während unserer ethnografischen Studie vor Ort beobachtet haben, zeigen wir Ambivalenzen politischer Polarisierung auf. Dabei werden verschiedene Modi und Konsequenzen polarisierender bzw. nicht-polarisierender Konfliktdynamiken verdeutlicht. Es handelt sich erstens um die Dialektik des Konflikts, die anhand von rechten Demonstrationen und Gegendemonstrationen sichtbar geworden ist (Abschn. 1). Zweitens wird ein Beispiel für die Transzendierung des Konflikts durch lokale Kulturfestivals dargelegt (Abschn. 2). Drittens soll entfaltet werden, was eine Entpolitisierung des Konflikts im Fußballstadion bedeutet (Abschn. 3). Abschließend möchten wir die Chemnitzer Zukunftsaussichten mit Blick auf den erfolgreichen Bewerbungsprozess zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 beleuchten. Es wird sich dabei zeigen, dass auch hier ein ambivalenter Umgang mit dem polarisierenden Konflikt nach den „Ereignissen“ von 2018 zu sehen ist (Abschn. 4).

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Ambivalenzen der Polarisierung: Der Fall Chemnitz

  • Ulf Bohmann,
  • Jenni Brichzin,
  • Henning Laux

摘要

„Die Ereignisse“, das ist der Begriff, der sich in Chemnitz für die Querelen im August 2018 durchgesetzt hat – für jene Geschehnisse also, die bei einem nächtlichen, von Asylbewerbern begangenen Tötungsdelikt ihren Ausgang nehmen und zu mehrere tausend Personen starken rechtsradikalen Aufmärschen geführt haben, zu „Hetzjagden“ (so der umstrittene Ausdruck) auf Menschen, denen man einen Migrationshintergrund unterstellt, und zu extremer Medienaufmerksamkeit weit über die Stadt, ja auch über Deutschland hinaus. Anhand dreier ausgewählter Beispiele von politischen Prozessen in Chemnitz, wie wir sie während unserer ethnografischen Studie vor Ort beobachtet haben, zeigen wir Ambivalenzen politischer Polarisierung auf. Dabei werden verschiedene Modi und Konsequenzen polarisierender bzw. nicht-polarisierender Konfliktdynamiken verdeutlicht. Es handelt sich erstens um die Dialektik des Konflikts, die anhand von rechten Demonstrationen und Gegendemonstrationen sichtbar geworden ist (Abschn. 1). Zweitens wird ein Beispiel für die Transzendierung des Konflikts durch lokale Kulturfestivals dargelegt (Abschn. 2). Drittens soll entfaltet werden, was eine Entpolitisierung des Konflikts im Fußballstadion bedeutet (Abschn. 3). Abschließend möchten wir die Chemnitzer Zukunftsaussichten mit Blick auf den erfolgreichen Bewerbungsprozess zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 beleuchten. Es wird sich dabei zeigen, dass auch hier ein ambivalenter Umgang mit dem polarisierenden Konflikt nach den „Ereignissen“ von 2018 zu sehen ist (Abschn. 4).