Der Essay gilt bei Robert Musil als eine Darstellungsform, die zwischen wissenschaftlicher Systematik und dichterischer Intuition vermittelt. Durch die Einführung der Begriffe des Ratioiden und Nicht-Ratioiden entwirft Musil ein Modell, das die starre Trennung zwischen Rationalität und Irrationalität überwindet und stattdessen ein Kontinuum des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens beschreibt. Der Essay wird so zum Möglichkeitsraum, in dem de Ambiguität der Welt erfahrbar wird, ohne sie auf eindeutige Begriffe zu reduzieren. In diesem Konzept trifft Musils Essayismus auf Susan Sontags Forderung nach einer „Erotivs of Art“, die eine sinnlich-intuitive Wahrnehmung betont und sich gegen interpretative Vereindeutigungen wendet. Beide Positionen eint das Anliegen, Komplexität und Vieldeutigkeit von Welt in einer offenen, dynamischen Form Ausdruck zu verleihen – und bei Musil insbesondere dem quasi Unaussprechlichen eine sprachliche Gestalt zu geben.

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Die Zwitterreize des Essays – Musils Konzept der Ambiguität als Darstellungsform

  • Maria-Louise Seipel

摘要

Der Essay gilt bei Robert Musil als eine Darstellungsform, die zwischen wissenschaftlicher Systematik und dichterischer Intuition vermittelt. Durch die Einführung der Begriffe des Ratioiden und Nicht-Ratioiden entwirft Musil ein Modell, das die starre Trennung zwischen Rationalität und Irrationalität überwindet und stattdessen ein Kontinuum des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens beschreibt. Der Essay wird so zum Möglichkeitsraum, in dem de Ambiguität der Welt erfahrbar wird, ohne sie auf eindeutige Begriffe zu reduzieren. In diesem Konzept trifft Musils Essayismus auf Susan Sontags Forderung nach einer „Erotivs of Art“, die eine sinnlich-intuitive Wahrnehmung betont und sich gegen interpretative Vereindeutigungen wendet. Beide Positionen eint das Anliegen, Komplexität und Vieldeutigkeit von Welt in einer offenen, dynamischen Form Ausdruck zu verleihen – und bei Musil insbesondere dem quasi Unaussprechlichen eine sprachliche Gestalt zu geben.