Willkommen in der Realität: Die deutsche Handelsimmobilie befindet sich in der Transformation, der deutsche Einzelhandel hat diese weitgehend abgeschlossen. Handelsimmobilien sind in besonderem Maße von gesellschaftlichen Veränderungen betroffen. Denn sie sind zugleich Laufsteg und Absatzkanal und damit ein Abbild der Konsumgesellschaft. Die langsame Ablösung des Massenkonsums durch neue Einkaufsmuster hatte zunächst das Fachgeschäft, später das Warenhaus und dann auch das Einkaufszentrum unter Druck gesetzt. Mit dem Onlinehandel kam ein Wettbewerber hinzu, der noch individuellere Wünsche erfüllt. Noch am Vorabend der Corona-Pandemie waren die Folgen für viele Akteure in der Immobilienwirtschaft bestenfalls abstrakter Natur. Doch 2020 wurde die Veränderung akut: Klassischen Investments gingen zunächst Mieten, dann Mieter verloren. Jahrelang als zu diskretionär den Spezialisten überlassen, wurden Supermärkte über Nacht zu Investor’s Darling. Die Zweiteilung des Marktes – Food- vs. Nonfood-Immobilien – ist auch nach Überwindung der Pandemie und Rückkehr des Kapitalmarktzinses das „Neue Normal“. Die Zwanziger Jahre werden als Dekade der Neubewertung von Lagen, Standorten und Konzepten in die moderne Immobiliengeschichte eingehen. Die Neubewertung ist überfällig, da technologische Entwicklungen die Voraussetzung geschaffen haben, Raum und Zeit in nie gekannter Weise zu verdichten oder sogar zu überwinden. Mit jedem Click werden Bedürfnisse im Hier und Jetzt geweckt. Insbesondere Innenstädte verlieren ihre historische Marktplatzfunktion an Markenwelten und virtuelle Communities, digitale Plattformen – aber auch an schnell erreichbare Nahversorgungslagen. Wo viel Schatten, da auch viel Licht: Der Einzelhandel ist längst dabei, sich neu zu erfinden – Agilität ist der Schlüssel auch für die Immobilienbranche, morgen noch dabei zu sein.

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Handelsimmobilien: Lost in Transition

  • Manuel Jahn

摘要

Willkommen in der Realität: Die deutsche Handelsimmobilie befindet sich in der Transformation, der deutsche Einzelhandel hat diese weitgehend abgeschlossen. Handelsimmobilien sind in besonderem Maße von gesellschaftlichen Veränderungen betroffen. Denn sie sind zugleich Laufsteg und Absatzkanal und damit ein Abbild der Konsumgesellschaft. Die langsame Ablösung des Massenkonsums durch neue Einkaufsmuster hatte zunächst das Fachgeschäft, später das Warenhaus und dann auch das Einkaufszentrum unter Druck gesetzt. Mit dem Onlinehandel kam ein Wettbewerber hinzu, der noch individuellere Wünsche erfüllt. Noch am Vorabend der Corona-Pandemie waren die Folgen für viele Akteure in der Immobilienwirtschaft bestenfalls abstrakter Natur. Doch 2020 wurde die Veränderung akut: Klassischen Investments gingen zunächst Mieten, dann Mieter verloren. Jahrelang als zu diskretionär den Spezialisten überlassen, wurden Supermärkte über Nacht zu Investor’s Darling. Die Zweiteilung des Marktes – Food- vs. Nonfood-Immobilien – ist auch nach Überwindung der Pandemie und Rückkehr des Kapitalmarktzinses das „Neue Normal“. Die Zwanziger Jahre werden als Dekade der Neubewertung von Lagen, Standorten und Konzepten in die moderne Immobiliengeschichte eingehen. Die Neubewertung ist überfällig, da technologische Entwicklungen die Voraussetzung geschaffen haben, Raum und Zeit in nie gekannter Weise zu verdichten oder sogar zu überwinden. Mit jedem Click werden Bedürfnisse im Hier und Jetzt geweckt. Insbesondere Innenstädte verlieren ihre historische Marktplatzfunktion an Markenwelten und virtuelle Communities, digitale Plattformen – aber auch an schnell erreichbare Nahversorgungslagen. Wo viel Schatten, da auch viel Licht: Der Einzelhandel ist längst dabei, sich neu zu erfinden – Agilität ist der Schlüssel auch für die Immobilienbranche, morgen noch dabei zu sein.