Die Verhandlung von Erziehbarkeit, Bildsamkeit und Rassenhygiene im Nationalsozialismus am Beispiel von Sinti* und Roma*
摘要
Wissenschaft und Forschung fungierten im Nationalsozialismus weitgehend herrschaftsstabilisierend. Darüber hinausgehend beteiligten sich Akteure aus diesen Bereichen aktiv an den Verbrechen des Systems. Sinti und Roma waren eine der im Nationalsozialismus rassistisch verfolgten Menschengruppen, die in großem Maße darunter leiden mussten. Neben den grausamen Körperexperimenten eines Josef Mengele gab es in Berlin die 1936 gegründete Rassenhygienische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes, die sich unter der Leitung von Robert Ritter mit der Erfassung und Begutachtung aller in Deutschland lebenden Sinti und Roma befasste, um sie letztlich für die Vernichtung zu markieren. Sie war zwar nur eine Institution des Vernichtungsapparates, besaß jedoch eine solche ideologische Definitionsmacht, dass durch sie die Verfolgung und der Genozid in erheblichem Maße bestimmt wurden (vgl. Fings 2007).