Bildungsteilhabe als Analysefokus und Forschungsperspektive oder Wie ist – für Sinti* und Roma* – Teilhabe an Bildung möglich?
摘要
„Gemeinsam für eine bessere Bildung“ lautet der Titel der „Empfehlungen zur gleichberechtigten Bildungsteilhabe von Sinti und Roma in Deutschland“ (EVZ 2016). Diese Empfehlungen wurden durch einen Arbeitskreis von Expert*innen aus Bildung, Politik und Zivilgesellschaft erarbeitet. Im Blick war an erster Stelle die Frage des Zugangs zu und der Teilhabe an zertifizierter Bildung, vor allem von Schulbildung. In einer Studie zur Lebens- und Bildungssituation deutscher Sinti und Roma wurde zuvor festgestellt, dass von einer starken Bildungsbenachteiligung dieser Gruppe ausgegangen werden muss (vgl. Strauß 2011). Laut dieser Untersuchung war es plausibel, anzunehmen, dass die proportionale Verteilung auf Bildungsgänge im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht annähernd erreicht wird. Der Teilhabebegriff erscheint von daher in diesem Kontext als zweifellos angebracht und wird auch überwiegend verwendet. Doch schon in der Studie von 2011 und den EVZ-Empfehlungen (2016) deutete sich an, dass der Begriff der Bildungsteilhabe sich nicht nur auf den Zugang zum und den zertifizierten Erfolg im deutschen Bildungssystem beziehen kann. In beiden Ausarbeitungen wurde deutlich, dass die Problemlage sehr viel komplexer ist und einen erweiterten Zugriff auf die Frage der Bildung erfordert. Es geht hierbei um Bildung unter den Bedingungen von – historisch tradierten – diskriminierenden und rassifizierenden Zuschreibungsverhältnissen, gesellschaftlichen Unrechtsverhältnissen, intergenerationellen Traumatisierungen, mangelnder Anerkennung und professionalisierter Defizitorientierung und demnach um strukturell angelegte Bildungsbarrieren. Diese Barrieren beziehen sich jedoch nicht nur auf das Schulwesen, sondern sind für die Menschen aus den betreffenden Communitys allgegenwärtig und somit permanent prägend für die Ausgestaltung ihrer Selbst- und Weltverhältnisse.