Einführung in den Band
摘要
„Es ist mir nie genug und das mag ich aber auch“, so beschreibt Mina S. ihr Verhältnis zu Bildung. Für sie und viele andere aus den Communitys der Sinti und Roma verkörpert Bildung ein bedeutsames emanzipatorisches und widerständiges Element ihres Lebens unter den Bedingungen eines allgegenwärtigen gegen sie gerichteten Rassismus, das sie um keinen Preis missen möchten. „Wer viel weiß, der leidet viel“ zitiert hingegen tsiganologische Literatur vorgebliche Stimmen aus den Communitys und deutet scheinbare Bildungsdistanz als einen der romani Kultur inhärenten Widerstand gegenüber der Dominanzkultur (Rommelspacher 1995). Gleichzeitig können wir für diese Gruppe von einer regelrechten „Bildungsarmut“, konkreter und zugleich als „Zertifikationsarmut“ (Tenorth 2020, S. 2) gefasst, ausgehen. Mit dieser Diskrepanz in der Eigen- und Fremdbeschreibung ist die Thematik von Bildung und Sinti und Roma im Spannungsfeld von rassismussensibler, historisch informierter Einordnung und kulturalisierender Verknappung (1), von „unterworfenen Wissensbeständen, disqualifiziertem Wissen“ (vgl. Foucault 2010 [1976]) vs. (akademisch) legitimierten Wissen (2) und biografischen Gegenerzählungen (3) verortet.