Zwischen den Aufregungen um die Abaya in Frankreich und dem Streben von Päpsten der katholischen Religion nach der politischen Macht im Mittelalter gibt es für den externen Beobachter wahrscheinlich kaum Gemeinsamkeiten. Im ersten Fall sprechen wir von einer weiblichen Bekleidung in Form eines langen Gewands, das aus der arabischen Welt stammt und außer Gesicht und Hände alles bedeckt. Im zweiten Fall sprechen wir von der langen Geschichte des Kampfes für die Macht und ihre Ausübung auf allen Ebenen des spirituellen sowie des weltlichen Lebens zwischen Päpsten, Kaisern, Königen und Adeligen. Der erste Fall ist im Laufe des Jahres 2023 immer stärker von den Medien aufgegriffen worden, weil in diesem Jahr die französische Regierung durch ihren neu ernannten Bildungsminister Gabriel Attal das Tragen der Abaya in der Schule verboten hat (vgl. illustrativ etwa Ayad 2023; Libération 2023; Gonzalès 2023; auch in Deutschland vgl. Holzer 2023; DPA 2023; Wiegel 2023). Nach dem französischen Bildungsministerium sei die Abaya keine bloße modische Kleidung, die häufig von jungen Mädchen mit arabischem Migrationshintergrund in Frankreich öffentlich getragen werde. Sie sei vielmehr ein religiöses Symbol des Islam, das nach Ansicht der französischen Regierung auch einer Form des radikal-religiösen Militantismus dienen könne. Deshalb sei, ebenso wie andere ostentativ getragene religiöse Symbole, deren öffentliche Zurschaustellung bzw. Mitführung bereits seit 2004 nicht mehr gestattet (siehe dazu das französische Rundschreiben, vgl. Ministère de l’éducation nationale, de l’enseignement supérieur et de la recherche 2004). Der zweite Fall besetzt deutlich weniger Platz in den Medien und scheint uns zu einer langen Vergangenheit zu führen, von der wir gemeinhin annehmen würden, dass wir uns von dieser definitiv entfernt hätten.

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Die Suche nach Eindeutigkeit und die Macht der Päpste

  • Christian Papilloud,
  • Eva-Maria Schultze

摘要

Zwischen den Aufregungen um die Abaya in Frankreich und dem Streben von Päpsten der katholischen Religion nach der politischen Macht im Mittelalter gibt es für den externen Beobachter wahrscheinlich kaum Gemeinsamkeiten. Im ersten Fall sprechen wir von einer weiblichen Bekleidung in Form eines langen Gewands, das aus der arabischen Welt stammt und außer Gesicht und Hände alles bedeckt. Im zweiten Fall sprechen wir von der langen Geschichte des Kampfes für die Macht und ihre Ausübung auf allen Ebenen des spirituellen sowie des weltlichen Lebens zwischen Päpsten, Kaisern, Königen und Adeligen. Der erste Fall ist im Laufe des Jahres 2023 immer stärker von den Medien aufgegriffen worden, weil in diesem Jahr die französische Regierung durch ihren neu ernannten Bildungsminister Gabriel Attal das Tragen der Abaya in der Schule verboten hat (vgl. illustrativ etwa Ayad 2023; Libération 2023; Gonzalès 2023; auch in Deutschland vgl. Holzer 2023; DPA 2023; Wiegel 2023). Nach dem französischen Bildungsministerium sei die Abaya keine bloße modische Kleidung, die häufig von jungen Mädchen mit arabischem Migrationshintergrund in Frankreich öffentlich getragen werde. Sie sei vielmehr ein religiöses Symbol des Islam, das nach Ansicht der französischen Regierung auch einer Form des radikal-religiösen Militantismus dienen könne. Deshalb sei, ebenso wie andere ostentativ getragene religiöse Symbole, deren öffentliche Zurschaustellung bzw. Mitführung bereits seit 2004 nicht mehr gestattet (siehe dazu das französische Rundschreiben, vgl. Ministère de l’éducation nationale, de l’enseignement supérieur et de la recherche 2004). Der zweite Fall besetzt deutlich weniger Platz in den Medien und scheint uns zu einer langen Vergangenheit zu führen, von der wir gemeinhin annehmen würden, dass wir uns von dieser definitiv entfernt hätten.