Ludwig Telekys Konzeption einer auch sozialwissenschaftlich orientierten Medizin und die gescheiterten Versuche zu ihrer Etablierung als akademische Disziplin im deutschsprachigen Raum der Zwischenkriegszeit
摘要
Ludwig TelekyTeleky, Ludwig (1872–1957) gehört zu den ersten im deutschsprachigen Raum tätig gewesenen Medizinern, welche systematisch sozialwissenschaftliche Theorien und Methoden auf das Gebiet der Gesundheitsforschung anzuwenden suchten. Von jüdischer Herkunft und durch ein progressiv-sozialistisches Milieu geprägt, befasste sich Teleky schon vor seiner Übersiedlung von Wien nach Düsseldorf aus Anlass der Bestellung zum Landesgewerbearzt und Direktor der Sozialhygienischen Akademie ebendort 1921 mit durch Armut und Industriearbeit mitbedingten (z. B. Tuberkulose) bzw. verursachten Erkrankungen, allen voran den „gewerblichen Vergiftungen“ durch Phosphor, Quecksilber, Blei, Quarzstaub und anderen, in der industriellen Produktion damals oft noch ohne größere Bedenken oder Schutzvorkehrungen eingesetzten Schadstoffen. Schon bis 1933 schuf Teleky in mehreren hundert wissenschaftlichen Publikationen ein beeindruckendes wissenschaftliches Werk, welches er auch in der „Emigration“ zuerst in Österreich, dann in den USA unter widrigen Bedingungen fortsetzte. In soziologiegeschichtlicher Hinsicht ist besonders die konsequente Berücksichtigung von sozialen Lagen und ökonomischen Interessen sowohl bei der Konzeption empirischer Erhebungen als auch bei der kritischen Beurteilung ihrer Validität durch Teleky als innovativ hervorzuheben, weiters seine Beiträge zur Entwicklung sozial-epidemiologisch-statistischer Untersuchungsmethoden.