Vor dem Hintergrund einer weitgehenden Nichtbeachtung von Frauen, die in der Zwischenkriegszeit in Österreich „soziologisch“ relevante Arbeiten verfassten, in der Soziologiegeschichtsschreibung werden im vorliegenden Beitrag Rosa MayrederMayreder, Rosa (geb. Obermayer) und Käthe LeichterLeichter, Käthe (geb. Pick) und zwei ihrer Werke, nämlich der Essayband Geschlecht und Kultur (1923) und die Studie So leben wir … 1320 Industriearbeiterinnen berichten über ihr Leben (1932), detailliert analysiert sowie biografisch und gesellschaftspolitisch kontextualisiert. Fünf Kriterien begründen dabei die Auswahl der Autorinnen und der beiden Schriften: erstens die inhaltlichen Eigenschaften der Werke (soziologische Relevanz und Kontrastsetzung – Theorie versus Empirie sowie Kultursoziologie und Familiensoziologie versus Arbeits- und Industriesoziologie); zweitens die umfassende Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Geschlechterverhältnissen und den damit verbundenen spezifischen Problemlagen von Frauen; drittens das gesellschaftspolitische Engagement der Autorinnen für „Frauenagenden“; die Kontrastsetzung, viertens, im Hinblick auf weltanschauliche Zuordnung und, fünftens, in Bezug auf ihre Bildungsbiografien. Ganz nach dem Motto „Bringing the Woman back in“ (SchwartzSchwartz, Agatha 2008, S. 18) macht der Aufsatz die „soziologischen Beiträge“ von Mayreder und Leichter sichtbar(er), ergänzt die Geschichte der Soziologie um diese und bindet ihre kultur, familien-, arbeits- und industriesoziologischen Befunde an aktuelle Fragestellungen und Diskurse an.

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Von Frauen über Frauen für Frauen. Soziologische Analysen der Geschlechterverhältnisse in Österreich am Beispiel von Rosa Mayreder und Käthe Leichter

  • Sabine A. Haring-Mosbacher

摘要

Vor dem Hintergrund einer weitgehenden Nichtbeachtung von Frauen, die in der Zwischenkriegszeit in Österreich „soziologisch“ relevante Arbeiten verfassten, in der Soziologiegeschichtsschreibung werden im vorliegenden Beitrag Rosa MayrederMayreder, Rosa (geb. Obermayer) und Käthe LeichterLeichter, Käthe (geb. Pick) und zwei ihrer Werke, nämlich der Essayband Geschlecht und Kultur (1923) und die Studie So leben wir … 1320 Industriearbeiterinnen berichten über ihr Leben (1932), detailliert analysiert sowie biografisch und gesellschaftspolitisch kontextualisiert. Fünf Kriterien begründen dabei die Auswahl der Autorinnen und der beiden Schriften: erstens die inhaltlichen Eigenschaften der Werke (soziologische Relevanz und Kontrastsetzung – Theorie versus Empirie sowie Kultursoziologie und Familiensoziologie versus Arbeits- und Industriesoziologie); zweitens die umfassende Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Geschlechterverhältnissen und den damit verbundenen spezifischen Problemlagen von Frauen; drittens das gesellschaftspolitische Engagement der Autorinnen für „Frauenagenden“; die Kontrastsetzung, viertens, im Hinblick auf weltanschauliche Zuordnung und, fünftens, in Bezug auf ihre Bildungsbiografien. Ganz nach dem Motto „Bringing the Woman back in“ (SchwartzSchwartz, Agatha 2008, S. 18) macht der Aufsatz die „soziologischen Beiträge“ von Mayreder und Leichter sichtbar(er), ergänzt die Geschichte der Soziologie um diese und bindet ihre kultur, familien-, arbeits- und industriesoziologischen Befunde an aktuelle Fragestellungen und Diskurse an.