Im ausgehenden 19. Jahrhundert beginnt die Massenpsychologie die unter den bildungsbürgerlichen Eliten grassierende Angst vor Menschenmengen wissenschaftlich zu thematisieren. Im Kontext der Kriminalanthropologie entstanden, stellt sie eine Transformation bestehender Ressentiments in wissenschaftliche Rhetorik vor. Ihre Popularisierung verdankt sich Gustave Le BonLe Bon, Gustave, dessen Buch über die Psychologie der Massen zu einem wissenschaftlichen Bestseller wird. Im Grunde kritiklos wird Le Bons Text von FreudFreud, Sigmund übernommen, der im Anschluss daran mit Massenpsychologie und Ich-Analyse einen seiner bedeutendsten Beiträge zur Metapsychologie der Psychoanalyse schreibt. Freuds Beispiel zeigt, dass Beiträge zu einer Kollektivpsychologie in der Zwischenkriegszeit nicht primär aus der universitären Psychologie, sondern aus den außeruniversitär verankerten tiefenpsychologischen Schulen kommen. Von der Soziologie aus entwickelt sich ab der Mitte der 1920er-Jahre eine neue Form der Verwissenschaftlichung des Massen-Themas, in der die soziale Gruppe als ein von gemeinsamen Interessen geleiteter Zusammenschluss als zentrale Analyse-Einheit von Menschenmengen der spontanen Massenbildung gegenübergestellt wird.

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Massenpsychologie und Soziologie der Masse

  • Gerhard Benetka

摘要

Im ausgehenden 19. Jahrhundert beginnt die Massenpsychologie die unter den bildungsbürgerlichen Eliten grassierende Angst vor Menschenmengen wissenschaftlich zu thematisieren. Im Kontext der Kriminalanthropologie entstanden, stellt sie eine Transformation bestehender Ressentiments in wissenschaftliche Rhetorik vor. Ihre Popularisierung verdankt sich Gustave Le BonLe Bon, Gustave, dessen Buch über die Psychologie der Massen zu einem wissenschaftlichen Bestseller wird. Im Grunde kritiklos wird Le Bons Text von FreudFreud, Sigmund übernommen, der im Anschluss daran mit Massenpsychologie und Ich-Analyse einen seiner bedeutendsten Beiträge zur Metapsychologie der Psychoanalyse schreibt. Freuds Beispiel zeigt, dass Beiträge zu einer Kollektivpsychologie in der Zwischenkriegszeit nicht primär aus der universitären Psychologie, sondern aus den außeruniversitär verankerten tiefenpsychologischen Schulen kommen. Von der Soziologie aus entwickelt sich ab der Mitte der 1920er-Jahre eine neue Form der Verwissenschaftlichung des Massen-Themas, in der die soziale Gruppe als ein von gemeinsamen Interessen geleiteter Zusammenschluss als zentrale Analyse-Einheit von Menschenmengen der spontanen Massenbildung gegenübergestellt wird.