Descartes, die Lehrbuchbiologie und unser Kater
摘要
Wenn ich zum Beginn meiner Studienzeit im Hauptfach Zoologie 1965 zurückdenke, und mit den Einstellungen vergleiche, die sich nach meiner Beobachtung seitdem in der akademischen Vermittlung des Wissens über Tiere eingestellt haben, muss ich einen deutlichen Wandel zum Positiven feststellen. Das betrifft vor allem das gegenüber meiner Studienzeit erweiterte Selbstverständnis fachlicher Zuständigkeiten und das Bewusstsein für handlungs- und verantwortungsethische Positionen (i. S. Max Webers). Die Zoologie war noch entfernt von ihrem heutigen Stellenwert in der biologischen Studienlandschaft, wir waren höchstens ein Dutzend Konsemester, Nebenfächler mit eingerechnet. In meinem Studium wurde sehr viel über die Art und Weise gedanklicher Annäherung an das Objekt Tier gesprochen, das als naturwissenschaftliches und namentlich als Erkenntnisproblem behandelt wurde. Die Zoologie befasse sich auch nicht mit naiven Fragen: Wie heißt das Tier? Wo kommt es vor? Was frisst es? Wie sieht das männliche, wie das weibliche Tier aus? Wie alt wird das Tier? Welche Krankheiten kann das Tier haben? Alle diese Fragen lägen der Zoologie fern und seien Angelegenheit von Praktikern, wie Forstmännern oder Wärtern, die zur eigentlichen Wissenschaft keinen Beitrag leisteten (so der Originalwortlaut nach meiner Mitschrift der Vorlesung „Allgemeine Zoologie“ des Professors W.U. am 23.11.1965). Wer Zoologie studierte, weil er sich etwa empathisch zu Tieren hingezogen fühlte, musste sehr schnell einsehen, dass er sich im Fach getäuscht hatte. Vielleicht galt das nur für die Zoologie an der damaligen FU Berlin. Ich habe keinen Vergleich mit der vermittelten Lehre einer anderen Universität. Wahrscheinlich hätte es sie gegeben, z. B. bei Adolf Portmann (1897–1982) in Basel oder auch in Münster. Mein Interesse verlagerte sich nach acht Semestern zum Hauptfach Anthropologie. Nur zweimal, so meine Erinnerung, gab es Momente vermittelter Empathie mit Tieren.