Im europäischen Vergleich zur Verwaltungsdigitalisierung befindet sich Deutschland im unteren Mittelfeld unter den EU-Mitgliedsländern. Häufig mangelt es an den Grundlagen, wie schlanken Prozessen und aktuellen Rechtsgrundlagen. Die Digitalisierung der Verwaltung steht dennoch vor einer bedeutenden Transformation mit dem Ziel, Prozesse effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten. Die Digitalisierung von Prozessen in der Verwaltung kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Entitäten über eine digitale Identität auf einem ausreichenden Vertrauensniveau identifizierbar sind (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (Hrsg.), 2021). Der zunehmende Wunsch nach einer größtmöglichen Datensouveränität rückt dabei das Konzept der selbstverwalteten Identitäten (Self-sovereign Identities – SSI) in den Fokus. Durch SSI wird den Bürgerinnen und Bürgern eine sichere und selbstbestimmte Verwaltung ihrer digitalen Identitäten und weiteren Nachweise ermöglicht und so die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen beschleunigen kann. Eine breitenwirksame Anwendung wird verfolgt, konkrete Anwendungsszenarien prototypisch umgesetzt und getestet. Es handelt sich dabei um ein komplexes Gebilde aus digitalen ID’s der Bürgerinnen und Bürgern sowie einer Vielzahl von Prozessen, welche in diesem Zusammenhang zu analysieren sind. Davon ausgehend wird der Nutzen für die Stakeholder betrachtet. Dabei werden nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch der gesellschaftliche und politische Nutzen untersucht. Der vorliegende Beitrag bietet eine umfassende Analyse von Verwaltungsprozessen, die durch den Einsatz von SSI ihr Digitalisierungspotenzial maximieren sollen. Zunächst wird der aktuelle Stand der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland betrachtet. Im Anschluss erfolgt eine exemplarische Darstellung spezifischer Anwendungsfälle aus Dresden und Leipzig, um praktische Umsetzungsbeispiele und deren Nutzen aufzuzeigen. Der Artikel schließt mit einer kritischen Diskussion der erzielten Ergebnisse und bietet einen Ausblick auf zukünftige Potenziale und erweiterte Anwendungsmöglichkeiten von SSI in Verwaltungsprozessen, unter Berücksichtigung der Herausforderungen und Chancen für eine breite Implementierung.

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Use Cases und Wertbeiträge von selbstbestimmten Identitäten in Verwaltungs- und Beteiligungsprozessen

  • Claudia Schindler,
  • Jan Hauptmann,
  • Elizabeth Orta,
  • Lukas Schroll,
  • Robert Schröder,
  • Frank Sonne

摘要

Im europäischen Vergleich zur Verwaltungsdigitalisierung befindet sich Deutschland im unteren Mittelfeld unter den EU-Mitgliedsländern. Häufig mangelt es an den Grundlagen, wie schlanken Prozessen und aktuellen Rechtsgrundlagen. Die Digitalisierung der Verwaltung steht dennoch vor einer bedeutenden Transformation mit dem Ziel, Prozesse effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten. Die Digitalisierung von Prozessen in der Verwaltung kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Entitäten über eine digitale Identität auf einem ausreichenden Vertrauensniveau identifizierbar sind (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (Hrsg.), 2021). Der zunehmende Wunsch nach einer größtmöglichen Datensouveränität rückt dabei das Konzept der selbstverwalteten Identitäten (Self-sovereign Identities – SSI) in den Fokus. Durch SSI wird den Bürgerinnen und Bürgern eine sichere und selbstbestimmte Verwaltung ihrer digitalen Identitäten und weiteren Nachweise ermöglicht und so die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen beschleunigen kann. Eine breitenwirksame Anwendung wird verfolgt, konkrete Anwendungsszenarien prototypisch umgesetzt und getestet. Es handelt sich dabei um ein komplexes Gebilde aus digitalen ID’s der Bürgerinnen und Bürgern sowie einer Vielzahl von Prozessen, welche in diesem Zusammenhang zu analysieren sind. Davon ausgehend wird der Nutzen für die Stakeholder betrachtet. Dabei werden nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch der gesellschaftliche und politische Nutzen untersucht. Der vorliegende Beitrag bietet eine umfassende Analyse von Verwaltungsprozessen, die durch den Einsatz von SSI ihr Digitalisierungspotenzial maximieren sollen. Zunächst wird der aktuelle Stand der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland betrachtet. Im Anschluss erfolgt eine exemplarische Darstellung spezifischer Anwendungsfälle aus Dresden und Leipzig, um praktische Umsetzungsbeispiele und deren Nutzen aufzuzeigen. Der Artikel schließt mit einer kritischen Diskussion der erzielten Ergebnisse und bietet einen Ausblick auf zukünftige Potenziale und erweiterte Anwendungsmöglichkeiten von SSI in Verwaltungsprozessen, unter Berücksichtigung der Herausforderungen und Chancen für eine breite Implementierung.