Ausgehend von autobiographischen Zeugnissen, die von Überlebenden des Genozids an den Tutsi Ruandas stammen, möchte ich Innovationsversuchen nachgehen, die dieses kleine Land nach der Ermordung von schätzungsweise mehr als einer Million Menschen in Gang zu setzen versuchte, um dem einerseits unmöglichen, andererseits unumgänglichen Neben- und Miteinander von Täter:innen und Überlebenden einen neuen Rahmen ohne ethnische Unterscheidungen zu geben. Die Herausforderungen waren immens, hatte es sich bei dem Genozid an den Tutsi doch um ein Phänomen der Massengewalt gehandelt, das von der Forschung zu Recht als „Genozid der Nähe“ beschrieben worden ist, weil die Tötungen, häufig angeleitet von extremistischen Hutu-Milizen, Gendarmen und Polizei, von einstigen Nachbar:innen, Freund:innen, ja gar Verwandten auszugehen pflegten. Die Zahl der an den Massakern Beteiligten (auch Kinder wurden mitunter einbezogen) war so groß, dass sich nach den ‚hundert Tagen der Machete‘ die Frage nach den Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeiten für die zu riesige Zahl von zu Gefängnishaft Verurteilten stellte.

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„C’était vital de retravailler tout de suite, après le génocide. C’était vital, vital.“ (Mujawayo/Balhaddad 2011)

  • Anne D. Peiter

摘要

Ausgehend von autobiographischen Zeugnissen, die von Überlebenden des Genozids an den Tutsi Ruandas stammen, möchte ich Innovationsversuchen nachgehen, die dieses kleine Land nach der Ermordung von schätzungsweise mehr als einer Million Menschen in Gang zu setzen versuchte, um dem einerseits unmöglichen, andererseits unumgänglichen Neben- und Miteinander von Täter:innen und Überlebenden einen neuen Rahmen ohne ethnische Unterscheidungen zu geben. Die Herausforderungen waren immens, hatte es sich bei dem Genozid an den Tutsi doch um ein Phänomen der Massengewalt gehandelt, das von der Forschung zu Recht als „Genozid der Nähe“ beschrieben worden ist, weil die Tötungen, häufig angeleitet von extremistischen Hutu-Milizen, Gendarmen und Polizei, von einstigen Nachbar:innen, Freund:innen, ja gar Verwandten auszugehen pflegten. Die Zahl der an den Massakern Beteiligten (auch Kinder wurden mitunter einbezogen) war so groß, dass sich nach den ‚hundert Tagen der Machete‘ die Frage nach den Unterbringungs- und Versorgungsmöglichkeiten für die zu riesige Zahl von zu Gefängnishaft Verurteilten stellte.