Die Kategorisierung von Schwerhörigkeit durch Telefonie im Großbritannien der Zwischenkriegszeit
摘要
Das Telefon bildete im Großbritannien der Zwischenkriegszeit eine elektroakustische Schnittstelle zwischen der technischen Kategorisierung und der sozialen Identifizierung von Schwerhörigkeit. Zwischen 1912 und 1981 kontrollierte die britische Post das staatliche Telefonsystem. Die Verbindung zwischen Telefonie und Gehör wird von Klang- und Wissenschaftshistoriker:innen schon seit Langem festgestellt, und die Techniker:innen der Post verfügten in der Zwischenkriegszeit über beträchtliches Fachwissen sowohl im Bereich der Telekommunikation als auch der Hörhilfen. Dieser Beitrag zeigt zunächst, wie die Post in der Zwischenkriegszeit verschiedene Arten von Hörverlusten kategorisierte, indem sie die Fähigkeit ihrer Nutzer:innen, effektiv mit dem Telefon zu kommunizieren, standardisierte. In einem zweiten Schritt wird untersucht, wie erfolgreich sie dabei war. Anhand des umfangreichen, aber bisher wenig genutzten Materials, das im BT-Archiv aufbewahrt wird, kann die Entwicklung des „Telefons für gehörlose Abonnent:innen“ („deaf subscribers“) der britischen Post nachvollzogen und untersucht werden, wie es eingesetzt wurde, um die Variabilität des Hörens und der Schwerhörigkeit innerhalb des Telefonsystems zu verwalten und zu standardisieren.