Körper, Stimmen, Prothesen. Eine Geschichte sprechender Interfaces als Assistenztechnologien
摘要
Von den Science and Technology Studies inspirierte Analysen zum Verhältnis von Technologie und Dis/Ability bleiben nicht auf Ontologien von Körperlichkeit verwiesen, sondern erlauben die Fokussierung wechselseitiger Inskriptionen: von Technologien in menschliche Körper – wie es der Cyborgdiskurs seit den 1980er-Jahren betont – und insbesondere von menschlichen Körpern in Technologien. Die Entwicklung akustischer Interfaces illustriert dies exemplarisch. Trotz der aktuellen Ubiquität akustischer Schnittstellen stellt eine Geschichte auraler Mensch-Maschine-Kommunikation, die ihre Gender- und Dis/Abilityimplikationen mitreflektiert, ein Desiderat dar. Zwar wurde in der aktuellen Forschung zu interaktiven sprechenden Interfaces angemerkt, dass die als gehorsam identifizierte Stimme von Siri normative Genderrollen reproduziert, um Formen der Überwachung zu verschleiern. Dieser Diskurs folgt aber selbst einem Narrativ von technologischer Innovation und Disruption. Die historische Analyse sprechender Maschinen zeigt, dass synthetische Stimmen, die auf Geschlechtlichkeiten verweisen und denen Körperlichkeiten eingeschrieben sind, einer historischen Trajektorie folgen. Maschinenstimmen sollten lange vor rezenten Smart Speakern das Leben von Menschen mit Behinderung unterstützen. In diesem Beitrag werden exemplarische Episoden aus der Geschichte der Sprachsynthese fokussiert und hinsichtlich der Verwobenheit von Technologie, Körperlichkeit und Gender befragt. Beispiele wie frühe Stimmprothesen und Lesegeräte liegen noch vor der marktökonomisch begründeten Miniaturisierung sprechender Maschinen – zugleich sind sie Teil der Geschichte heutiger Voice Assistants.