Die Xenologie ist die Wissenschaft vom Fremden – dies bedeutet u. a. die Wissenschaft von den Konstitutionsmechanismen und den kulturellen Logiken, die der Konstruktion der Fremdheit zugrunde liegen: Das Fremde kann nämlich nicht nur auf ein verzerrtes Menschenbild reduziert werden. Vielmehr kann sich Fremdheit unter gewissen xenologischen Umständen als identitätsstiftende Instanz erweisen – wenn das der Fall ist, wird sie sogar zur unabdingbaren Instanz. Laut Duala-Mʼbedy ist der „Topos des Fremden oder die Zusammenstellung von Fremdheitsstereotypen ein fundamentaler Faktor menschlichen Daseins. Er beinhaltet die Vorkehrungen und Maßnahmen, die der Selbsterhaltungstrieb des Menschen fordert“. Die Instanz des Fremden erweist sich nicht nur als konstitutiv, sondern auch als ein „Regulativ“ für die verschiedensten Lebensdomänen: „Wie politische Verfassungen hinsichtlich der Ordnung vom Menschen in der Gesellschaft integrativ zu wirken haben, so bildet das Fremde innerhalb des Ordnungsgedankens das desintegrative Element und fungiert so als Regulativ“. Die Fremdheit konstituiert Identität auf paradoxe Art und Weise, und zwar indem sie die Norm in Frage stellt. Die Kategorisierung des Fremden als „negative Kehrseite“ und als „das Verkehrte, der Widersinn alles Greifbaren und Begreifbaren“, der „Gegenbegriff zur Norm schlechthin“ sei somit nicht nur ein wesentlicher Moment der Entstehung menschlicher Gemeinschaften, sondern auch bei deren regulierter Aufrechterhaltung wirksam. Bei dem Fremden bewahrheitet sich die Umkehrung des Prinzips omnis determinatio est negatio: Von nun an ist die Behauptung möglich, omnis negatio est determinatio, die Bestimmung der Identität erfolgt durch Verneinung – die Bestimmung des Fremden erfolgt per via negativa.

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Konstitutiv, regulativ, negativ. In einem Wort: Fremd

  • Giovanni Tidona

摘要

Die Xenologie ist die Wissenschaft vom Fremden – dies bedeutet u. a. die Wissenschaft von den Konstitutionsmechanismen und den kulturellen Logiken, die der Konstruktion der Fremdheit zugrunde liegen: Das Fremde kann nämlich nicht nur auf ein verzerrtes Menschenbild reduziert werden. Vielmehr kann sich Fremdheit unter gewissen xenologischen Umständen als identitätsstiftende Instanz erweisen – wenn das der Fall ist, wird sie sogar zur unabdingbaren Instanz. Laut Duala-Mʼbedy ist der „Topos des Fremden oder die Zusammenstellung von Fremdheitsstereotypen ein fundamentaler Faktor menschlichen Daseins. Er beinhaltet die Vorkehrungen und Maßnahmen, die der Selbsterhaltungstrieb des Menschen fordert“. Die Instanz des Fremden erweist sich nicht nur als konstitutiv, sondern auch als ein „Regulativ“ für die verschiedensten Lebensdomänen: „Wie politische Verfassungen hinsichtlich der Ordnung vom Menschen in der Gesellschaft integrativ zu wirken haben, so bildet das Fremde innerhalb des Ordnungsgedankens das desintegrative Element und fungiert so als Regulativ“. Die Fremdheit konstituiert Identität auf paradoxe Art und Weise, und zwar indem sie die Norm in Frage stellt. Die Kategorisierung des Fremden als „negative Kehrseite“ und als „das Verkehrte, der Widersinn alles Greifbaren und Begreifbaren“, der „Gegenbegriff zur Norm schlechthin“ sei somit nicht nur ein wesentlicher Moment der Entstehung menschlicher Gemeinschaften, sondern auch bei deren regulierter Aufrechterhaltung wirksam. Bei dem Fremden bewahrheitet sich die Umkehrung des Prinzips omnis determinatio est negatio: Von nun an ist die Behauptung möglich, omnis negatio est determinatio, die Bestimmung der Identität erfolgt durch Verneinung – die Bestimmung des Fremden erfolgt per via negativa.