Ein neues Verständnis der Xenologie
摘要
Nun befasst sich Duala-Mʼbedy nicht primär mit der Ätiologie dieser ganz speziellen ‚Kränkung‘, die zugleich auch eine Erkrankung ist, sondern vielmehr mit deren Verlauf in der westlichen Denkgeschichte. Unser Autor kümmert sich intensiv um die Beschreibung des Krankheitsverlaufs bzw. um den mutmaßlichen Prozess der Verfremdung des nicht-europäischen Menschen seitens des europäischen Menschen. Die Fremdheits-Kränkung manifestiert sich in der Tat, in seinen Worten ausgedrückt, in der „geschichtsphilosophisch – oder geschichtsspekulativ – reduzierten Einordnung des ‚fremden‘ „Menschen (bzw. der außerhalb des europäischen Kulturkreises angesiedelten Völker) und seines Bewußtseinsstatus“. Zu einer solchen Verzerrung des Menschenbildes trügen die bereits erwähnten traditionellen Formen der Fremdheitsforschung entschieden bei (und zwar Ethnologie und Anthropologie in primis, wobei diese anfänglich gleichbedeutende Verwendung und folglich Vermengung der beiden Fachbegriffe ein erster problematischer methodologischer Umstand der Xenologie ist). Duala-Mʼbedy weist selber darauf hin, dass in seiner Untersuchung beide Begriffe zunächst als deckungsgleich zu verstehen seien: „Bisher wurden die Begriffe Anthropologie und Ethnologie im Hinblick auf ihre synonyme Funktion undifferenziert gebraucht. Beide sind wiederum nur schwer von der Ethnographie zu trennen, da auch diese auf einer Klassifizierung a priori basiert und erst dadurch ihren Sinn erhalten hat“. Erst bei einem historischen Exkurs über die Entwicklung beider Disziplinen werden etliche jeweilige Spezifika erörtert. Duala-Mʼbedy betont jedoch zugleich weitere gemeinsame Nenner wie „das evolutionistische Denken“ und die eschatologische Konzeption, die dann dazu führen wird, in beiden Wissenschaft eine Art Einheit zu individuieren: „Mit dieser apokalyptischen Vision war die Ethnologie in einen Kompetenzstreit mit der Anthropologie getreten, der im 20. Jahrhundert zur völligen Identifizierung und Überschneidung beider Begriffe führen sollte“. Wie denn das Verhältnis von Ethnologie und Anthropologie zu konfigurieren sei – und zu einzelnen Aspekten sei auf Xenologie, IV, 4 verwiesen –, versteht sich die Xenologie in erster Linie als Kritik an beiden Wissenschaftsformen (denn „hier wird das Programm der Ethnologie in seiner Absurdität flagrant“) sowie an deren Vorgehensweisen und Modalitäten. Eine der Hauptstrategien der Produktion der Fremden und der entsprechenden Verzerrung des Menschenbildes, die sich in diesen Disziplinen zuträgt, bestehe in der Schöpfung von tragenden Antinomien – dieser Terminus als regelrechtes Schlüsselwort des xenologischen Entwurfs Duala-Mʼbedys wird im Folgenden eine genauere Erörterung verdienen.