Literalität als soziale Praxis – eine erweiterte Perspektive auf Anwendung, Aneignung und Vermittlung von Schriftsprache
摘要
Ziel des Beitrages ist es, Literalität als multiples Konzept in Bezug auf die Anwendung von Schriftsprache im gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Nach einer Skizze zur Begriffsverwendung von Literalität im Rahmen von Alphabetisierung und Grundbildung und ihrer Erforschung im deutschsprachigen Raum, wird der Ansatz Literalität als soziale Praxis vorgestellt. Dieser wurde Ende der 1970er Jahre entwickelt und thematisiert unterschiedliche Blickwinkel auf die Anwendung und Aneignung von Schriftsprache. So wird es möglich, Schriftsprache als individuelle und kollektive Handlungspraktik zu verstehen, die durch ihren jeweiligen soziokulturellen Kontext gerahmt und tangiert wird. Damit wird die nach wie vor dominante, jedoch auch einschränkende Perspektive auf Schriftsprache als universelle und genormte Kulturtechnik um gesellschaftliche bzw. soziale (Handlungs-)Perspektiven erweitert. Es ergeben sich gewinnbringende Anschlussmöglichkeiten an die theoretischen Überlegungen Pierre Bourdieus zum Habitus sowie an die subjektwissenschaftliche Lerntheorie nach Klaus Holzkamp. Zudem wird aufgezeigt, auf welche Weise diese Überlegungen die Grundbildung und Grundbildungsforschung erweitern und bereichern können.