Deutschlands bisheriges Wirtschaftsmodell auf dem Prüfstand
摘要
Wie kein anderes Land in Europa lebte Deutschland in den vergangenen Dekaden von der Idee, dass Handel Krieg verhindert, und dass Außenwirtschaftspolitik vor allem unter kommerziellen Vorzeichen betrieben wird. „Wandel durch Handel“, so lautete das Mantra in der deutschen Außenwirtschaftspolitik, mindestens so populär wie der Glaube an die „Kultur der Zurückhaltung“ in der Außen- und Sicherheitspolitik, wie ihn die deutsche Politik parteiübergreifend für Jahrzehnte pflegte. Unternehmerische Interessen galten dabei als deckungsgleich mit den nationalen Interessen des Landes, außenwirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen aber wurden getrennt. Für ein Land mit einem Exportanteil von über 50 % am Bruttoinlandsprodukt ist dies nicht verwunderlich. Deutschlands Wohlstand war und bleibt in hohem Maße abhängig von offenen Märkten. Das Land ist stolz auf seine Exporttradition, bisweilen aber auch blind für Alternativen. Auch deswegen ist es mit einem Offenheitsgrad von etwa 80–85 % die offenste Volkswirtschaft unter den führenden Industrienationen und vergleichsweise abhängiger von einer multilateralen Weltwirtschaftsordnung. Knapp 30 % der deutschen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Export ab, im verarbeitenden Gewerbe beträgt die Zahl gar 55 %. Hinzu kommen unmittelbare wie mittelbare Direktinvestitionen in Höhe von fast 1500 Mrd. € in den beiden vergangenen Jahren.