Europa wie Deutschland stehen an einer Wendemarke. Dabei ist eigentlich schon seit der globalen Finanzkrise 2007/2008 offensichtlich, dass starke internationale Organisationen und die wenigen Regeln, die das Völkerrecht kennt, geopolitische Machtansprüche, Nationalismen und revisionistisches Großraumdenken nicht einhegen können. Weder akzeptieren die Staaten, die von der Öffnung der Märkte seit 1989 am meisten profitierten (allen voran China), die Grundprinzipien der liberalen Ordnung, noch sind sie an ihrer globalen Verbreitung (etwa durch humanitäre Interventionen zur Durchsetzung selbiger) wirklich interessiert. Stattdessen reduzieren sie den Markt unter dem Primat der Politik auf größtmögliche Effizienz, melden eigene Ordnungsansprüche in ihren „Einflusszonen“ an und entwickeln bestenfalls ein taktisch-instrumentelles Verständnis von Systemen kollektiver Sicherheit wie den Vereinten Nationen. Die Pfeiler der internationalen Ordnung der Nachkriegszeit, die zunächst auch die Zäsur der Jahre 1989/1990 überdauerten, bröckeln unaufhaltsam. Gewaltsame Auseinandersetzungen gehören mittlerweile zur Standardmethode bei der Lösung von zwischenstaatlichen Konflikten sowie innerhalb von Ländern, während das multilaterale Sicherheitssystem in die Bedeutungslosigkeit abgleitet und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ohnmächtig zusehen muss, wie die Grundsätze und Normen des Völkerrechts missachtet werden. Gleichzeitig verstärkt sich die Kluft zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, mit allen Konsequenzen einer immer größer werdenden Schuldenlast vor allem für die Länder des Südens, der Verschärfung des Armutsproblems, der Migration und des damit verbundenen erstarkenden Populismus und Autoritarismus.

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Der Beginn des post-Amerikanischen Zeitalters

  • Stefan Fröhlich

摘要

Europa wie Deutschland stehen an einer Wendemarke. Dabei ist eigentlich schon seit der globalen Finanzkrise 2007/2008 offensichtlich, dass starke internationale Organisationen und die wenigen Regeln, die das Völkerrecht kennt, geopolitische Machtansprüche, Nationalismen und revisionistisches Großraumdenken nicht einhegen können. Weder akzeptieren die Staaten, die von der Öffnung der Märkte seit 1989 am meisten profitierten (allen voran China), die Grundprinzipien der liberalen Ordnung, noch sind sie an ihrer globalen Verbreitung (etwa durch humanitäre Interventionen zur Durchsetzung selbiger) wirklich interessiert. Stattdessen reduzieren sie den Markt unter dem Primat der Politik auf größtmögliche Effizienz, melden eigene Ordnungsansprüche in ihren „Einflusszonen“ an und entwickeln bestenfalls ein taktisch-instrumentelles Verständnis von Systemen kollektiver Sicherheit wie den Vereinten Nationen. Die Pfeiler der internationalen Ordnung der Nachkriegszeit, die zunächst auch die Zäsur der Jahre 1989/1990 überdauerten, bröckeln unaufhaltsam. Gewaltsame Auseinandersetzungen gehören mittlerweile zur Standardmethode bei der Lösung von zwischenstaatlichen Konflikten sowie innerhalb von Ländern, während das multilaterale Sicherheitssystem in die Bedeutungslosigkeit abgleitet und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ohnmächtig zusehen muss, wie die Grundsätze und Normen des Völkerrechts missachtet werden. Gleichzeitig verstärkt sich die Kluft zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden, mit allen Konsequenzen einer immer größer werdenden Schuldenlast vor allem für die Länder des Südens, der Verschärfung des Armutsproblems, der Migration und des damit verbundenen erstarkenden Populismus und Autoritarismus.