Angesichts fortschreitender Mediatisierungsprozesse und der zunehmenden Entgrenzung medienvermittelter Kommunikationsformen scheint offenkundig, dass eine Ritualdiskussion heute nicht ohne Medienverweis auskommen kann. Im Folgenden wird zunächst in den Mediatisierungsansatz eingeführt, um darauf aufbauend institutionelle und sozialkonstruktivistische Perspektiven als prägende Forschungslinien des Ansatzes vorzustellen. Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Postulat der sog. tiefgreifenden Mediatisierung (Hepp, 2020), um die Bedeutung von individuellen und institutionellen Medienpraktiken im Hinblick auf die Konstitution sozialer Wirklichkeit zu betonen. Daran anknüpfend wird die medienwissenschaftliche Diskussion des Ritualbegriffs nachgezeichnet und durch Verweise auf die Konzepte der Media Events, Media Rituals und Mediatized Rituals problematisiert. Die Ausführungen sollen deutlich machen, dass die bisherige Debatte von normativen und deskriptiven Ansätzen der Ritualforschung geprägt ist und die verwendeten Begriffe zur Beschreibung des Verhältnisses von Medien und Ritualen teilweise miteinander konkurrieren. Daher wird zum Abschluss des Kapitels ein eigener Vorschlag zur Beschreibung gemacht, der zwischen den verschiedenen Positionen zu vermitteln sucht.

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Ritualisierte Praktiken in tiefgreifend mediatisierten Gesellschaften

  • Patrick Nehls

摘要

Angesichts fortschreitender Mediatisierungsprozesse und der zunehmenden Entgrenzung medienvermittelter Kommunikationsformen scheint offenkundig, dass eine Ritualdiskussion heute nicht ohne Medienverweis auskommen kann. Im Folgenden wird zunächst in den Mediatisierungsansatz eingeführt, um darauf aufbauend institutionelle und sozialkonstruktivistische Perspektiven als prägende Forschungslinien des Ansatzes vorzustellen. Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Postulat der sog. tiefgreifenden Mediatisierung (Hepp, 2020), um die Bedeutung von individuellen und institutionellen Medienpraktiken im Hinblick auf die Konstitution sozialer Wirklichkeit zu betonen. Daran anknüpfend wird die medienwissenschaftliche Diskussion des Ritualbegriffs nachgezeichnet und durch Verweise auf die Konzepte der Media Events, Media Rituals und Mediatized Rituals problematisiert. Die Ausführungen sollen deutlich machen, dass die bisherige Debatte von normativen und deskriptiven Ansätzen der Ritualforschung geprägt ist und die verwendeten Begriffe zur Beschreibung des Verhältnisses von Medien und Ritualen teilweise miteinander konkurrieren. Daher wird zum Abschluss des Kapitels ein eigener Vorschlag zur Beschreibung gemacht, der zwischen den verschiedenen Positionen zu vermitteln sucht.