Es ist wenig darüber bekannt, wie pädagogische und medizinische Fachpersonen die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) unterschiedlich verstehen und deuten. Auf der Grundlage einer qualitativen Befragung von pädagogischen und medizinischen Fachpersonen zur Beurteilung und Einordnung der ADHS, analysieren wir in diesem Beitrag die Prozesse der Ko-Konstruktion des Krankheitsbildes ADHS zwischen pädagogischen und medizinischen Deutungsansprüchen. Wir erörtern damit die Prozesse der Reifizierung professionsbezogener Wissensgegenstände und deren Bedeutung für die soziale Konstruktion der ADHS. Dabei geht es uns, auf der Basis empirischer Daten, auch um eine theoretische Verortung, um damit einen Beitrag zu einer im Kern wissenssoziologischen Fragestellung zu leisten: welche Einstellungen gegenüber der ADHS lassen sich in den Äußerungen pädagogischer und medizinischer Professioneller rekonstruieren? Beide Berufsgruppen äußern rivalisierende Expertenansprüche. Während medizinische Fachpersonen die wissenschaftlichen Autorität bei der Benennung und Diagnose vertreten, schreiben pädagogische Fachpersonen dem medizinischen Urteil eine objektive Bedeutung zu, indem sie abweichendes Verhalten pathologisierten und so den Einsatz pädagogischer Maßnahmen begründen.

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Die professionelle Konstruktion von ADHS: eine vergleichende Inhaltsanalyse der Einstellungen von pädagogischen und medizinischen Fachpersonen

  • Dominik Robin,
  • Fabian Karsch

摘要

Es ist wenig darüber bekannt, wie pädagogische und medizinische Fachpersonen die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) unterschiedlich verstehen und deuten. Auf der Grundlage einer qualitativen Befragung von pädagogischen und medizinischen Fachpersonen zur Beurteilung und Einordnung der ADHS, analysieren wir in diesem Beitrag die Prozesse der Ko-Konstruktion des Krankheitsbildes ADHS zwischen pädagogischen und medizinischen Deutungsansprüchen. Wir erörtern damit die Prozesse der Reifizierung professionsbezogener Wissensgegenstände und deren Bedeutung für die soziale Konstruktion der ADHS. Dabei geht es uns, auf der Basis empirischer Daten, auch um eine theoretische Verortung, um damit einen Beitrag zu einer im Kern wissenssoziologischen Fragestellung zu leisten: welche Einstellungen gegenüber der ADHS lassen sich in den Äußerungen pädagogischer und medizinischer Professioneller rekonstruieren? Beide Berufsgruppen äußern rivalisierende Expertenansprüche. Während medizinische Fachpersonen die wissenschaftlichen Autorität bei der Benennung und Diagnose vertreten, schreiben pädagogische Fachpersonen dem medizinischen Urteil eine objektive Bedeutung zu, indem sie abweichendes Verhalten pathologisierten und so den Einsatz pädagogischer Maßnahmen begründen.