Im Zentrum des Beitrages steht die Frage, inwiefern sich das Verhältnis von Arbeit und Geschlecht in den aktuellen Transformationsprozessen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt wandelt. Im Zuge der Digitalisierung entstehen neue Arbeitsformen, neue Formen der Rationalisierung, der Arbeitsorganisation sowie der Arbeitsbewertung. Die konkrete Gestaltung birgt sowohl Chancen als auch Risiken für Geschlechtergerechtigkeit. Bei der Gestaltung von neuer digitalisierter Arbeit handelt es sich um Prozesse, in denen unterschiedliche Interessen verfolgt werden, an denen Frauen und Männer, aufgrund ungleicher mikropolitischer Machtverhältnisse und betrieblicher Strukturen, unterschiedlich stark beteiligt sind. Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende Fragen: Wie stellt sich die praktizierte Realität im Umgang mit digitalen Technologien aus einer Geschlechterperspektive dar? Was wären Voraussetzungen und Bedingungen für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der neuen digitalisierten Arbeitswelt? Mikropolitik wirkt als ‚Ordnungsgeberin‘ betrieblicher Gleichstellung. Die Ergebnisse aus zwei empirischen Studien zeigen, dass sowohl traditionelle Formen der Arbeitsorganisation als auch bestehende Geschlechterdifferenzen in den stattfindenden Umbruchprozessen als ordnende Strukturen ihren ‚Gesetzescharakter‘ verlieren können. Ohne die Partizipation von Frauen und ohne das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit bleiben in Digitalisierungsprozessen geschlechterdifferente Strukturen erhalten bzw. werden sogar neue erzeugt. Die Herausforderung besteht darin, die Beteiligten für Geschlechterfragen zu sensibilisieren und die Geschlechterperspektive differenzierter in die Gestaltung digitalisierter Arbeit aufzunehmen.

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Mikropolitik als ‚Ordnungsgeberin‘ betrieblicher Gleichstellung in Prozessen der Digitalisierung von Arbeit

  • Edelgard Kutzner

摘要

Im Zentrum des Beitrages steht die Frage, inwiefern sich das Verhältnis von Arbeit und Geschlecht in den aktuellen Transformationsprozessen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt wandelt. Im Zuge der Digitalisierung entstehen neue Arbeitsformen, neue Formen der Rationalisierung, der Arbeitsorganisation sowie der Arbeitsbewertung. Die konkrete Gestaltung birgt sowohl Chancen als auch Risiken für Geschlechtergerechtigkeit. Bei der Gestaltung von neuer digitalisierter Arbeit handelt es sich um Prozesse, in denen unterschiedliche Interessen verfolgt werden, an denen Frauen und Männer, aufgrund ungleicher mikropolitischer Machtverhältnisse und betrieblicher Strukturen, unterschiedlich stark beteiligt sind. Vor diesem Hintergrund ergeben sich folgende Fragen: Wie stellt sich die praktizierte Realität im Umgang mit digitalen Technologien aus einer Geschlechterperspektive dar? Was wären Voraussetzungen und Bedingungen für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der neuen digitalisierten Arbeitswelt? Mikropolitik wirkt als ‚Ordnungsgeberin‘ betrieblicher Gleichstellung. Die Ergebnisse aus zwei empirischen Studien zeigen, dass sowohl traditionelle Formen der Arbeitsorganisation als auch bestehende Geschlechterdifferenzen in den stattfindenden Umbruchprozessen als ordnende Strukturen ihren ‚Gesetzescharakter‘ verlieren können. Ohne die Partizipation von Frauen und ohne das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit bleiben in Digitalisierungsprozessen geschlechterdifferente Strukturen erhalten bzw. werden sogar neue erzeugt. Die Herausforderung besteht darin, die Beteiligten für Geschlechterfragen zu sensibilisieren und die Geschlechterperspektive differenzierter in die Gestaltung digitalisierter Arbeit aufzunehmen.